Rudern : DRV trennt sich von Sportdirektor Müller

Der Deutsche Ruderverband kommt auch vier Monate nach der historischen Olympia-Pleite nicht zur Ruhe. Auf seiner Suche nach Wegen aus der Krise verzichtet er in Zukunft auf Sportdirektor Michael Müller.

Heinz Büse[dpa]

DüsseldorfBeide Seiten kamen überein, die langjährige Zusammenarbeit zu beenden. Müller bestritt Spekulationen, wonach die Trennung im Zusammenhang mit der dürftigen Medaillenausbeute von Peking steht. "Ich hege keinen Groll und hätte auch mit fünf Goldmedaillen eine ähnliche Entscheidung getroffen", sagte er.

Müller war seit 1997 für den DRV als Sportdirektor tätig und in dieser Funktion für die leistungssportliche Ausrichtung und Führung des Trainerteams verantwortlich. Auf einer Vorstandssitzung am 12. Januar soll erstmals über einen möglichen Nachfolger gesprochen werden. "Ich bedauere diesen Schritt. Auch wenn diese Entwicklung für uns eine große Lücke reißt, werden wir den neu eingeschlagenen Weg weiter entschieden verfolgen", kommentierte der DRV-Vorsitzende Siegfried Kaidel die zu diesem Zeitpunkt überraschende Personalentscheidung.

Ruderer erstmals ohne Olympia-Gold seit 52 Jahren

Über die Gründe der Trennung von Müller und die Höhe der Abfindung machte Kaidel keine Angaben. "Mit der getroffenen finanziellen Vereinbarung kann der DRV gut leben." Viele Kritiker hatten Müller für das enttäuschende Abschneiden im Shunyi-Park verantwortlich gemacht, wo der DRV erstmals seit 52 Jahren ohne Olympia-Gold geblieben war. Doch ungeachtet des heftigen Gegenwinds und lauter Rücktrittsforderungen aus Funktionärs- und Sportlerkreisen hatte sich die Verbandsspitze stets hinter den Sportdirektor gestellt, ihn allerdings von allen sportfachlichen Aufgaben entbunden.

An der Seite des neuen DRV-Cheftrainers Hartmut Buschbacher sollte sich der erfahrene Sportmanager ausschließlich mit organisatorischen und finanziellen Angelegenheiten befassen. So sah es das am 18. September vorgestellte neue Konzept vor, mit dem der DRV bis zu den Sommerspielen in London 2012 zurück auf Erfolgskurs finden will. Den plötzlichen Sinneswandel begründete Müller mit dem Wunsch nach einem beruflichen Neuanfang. Den Verband wähnt er auf einem guten Weg: "Ich habe mich schon 2006 für die Einstellung eines Cheftrainers stark gemacht und hinterlasse geordnete Strukturen."

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