Rudern : Flecken auf der Fassade

Der Achter hat WM-Gold geholt, Deutschland beendete die WM auf Rang eins der Nationenwertung. Dennoch ist nach der Olympia-Pleite noch nicht wieder alles, wie es sein sollte.

Frank Bachner
Ruder-WM in Posen - Achter Männer
Sie jubeln wieder. Der Deutschland-Achter feiert den WM-Sieg.Foto: AFP

Berlin - Das Boot kam verdammt nah ran. Aber der Steuermann des kanadischen Achters hatte alles im Griff, er kennt solche Spielchen ja in- und auswendig. Also rammte er sein Boot nicht in den Deutschland-Achter. Es ging bloß darum, den schärfsten Rivalen vor dem Start zu verunsichern. Deshalb glitt das kanadische Boot auch erst zum spätest möglichen Zeitpunkt an den Start.

Vergeblich, alles vergeblich. Der Deutschland-Achter gewann bei der Ruder-WM in Posen mit drei Sekunden Vorsprung auf die Kanadier. „Die haben so schnell begonnen, wie wir das erwartet haben“, sagte Schlagmann Sebastian Schmidt. Aber nicht schnell genug. Die Deutschen hielten mit, und dann zogen sie langsam davon.

Strategisch gesehen sind die drei WM-Siege und zwei Bronzemedaillen in den olympischen Klassen sehr wichtig für den Deutschen Ruderverband (DRV). Der wirkt jetzt auf den ersten Blick wieder wie eine sportliche Großmacht nach der Pleite in Peking und der mageren Bilanz von 2007, als es ausgerechnet bei der Weltmeisterschaft in München keinen Sieg gegeben hatte. In Posen rückte Deutschland auf Rang eins der Nationenwertung. „Die Richtung stimmt. Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht“, sagte DRV-Präsident Siegfried Kaidel der Deutschen Presseagentur.

Der Hinweis mit der Richtung ist wichtig. Man muss schon hinter die Fassade blicken, erst dann kann man diese Bilanz richtig einordnen. Ein Riesenerfolg ist sicher der Sieg des Doppel-Zweiers mit Stephan Krüger (Rostock) und Eric Knittel (Berlin). Das Boot bestätigte nach einer extremen Kraftleistung seine Dominanz. Zwölf Rennen in Folge hat das Boot gewonnen. Doch der Sieg des Achters hat vor allem erstmal eine große symbolische Bedeutung. Das Flaggschiff musste wieder Präsenz zeigen, das war wichtig für die Psyche der Verantwortlichen des Deutschen Ruderverbandes. Außerdem besteht nur die Chance, einen neuen Sponsor zu bekommen (oder den Vertrag mit dem bisherigen zu verlängern), wenn das Paradeboot als Premiumprodukt wahrgenommen wird.

Allerdings muss man auch sehen, dass die Erfolge in einm nacholympischen Jahr gelungen sind. Da sind Teams im Umbruch, und sie trainieren teilweise weniger als vor Olympischen Spielen. Das gilt für alle Boote. Deswegen sagte Cheftrainer Hartmut Buschbacher ja schon vor dem Finale: „In Posen kann sich der Achter nicht für Peking rehabilitieren.“ Das geht nur im olympischen Finale 2012.

Das Bronze des Doppelvierers der Frauen ist nur bedingt ein Erfolg. „Wir wollten um den Sieg mitfahren“, sagte Peggy Walseka. „Aber nach der ersten Streckenhälfte sind wir auseinander gefallen. Das ist enttäuschend.“ Der Doppel-Vierer hatte jahrelang die Szene beherrscht. Der Status des Siegboots ist verloren, und er ist noch lange nicht zurückerkämpft. Und vor allem: Es war das einzige deutsche Frauen-Boot, das eine Medaille gewonnen hat.

Bronze auch für den Männer-Doppelvierer. Eigentlich ein Erfolg, das Boot wurde neu zusammengestellt. Trotzdem ärgerte sich Karsten Bordowski. „Ich habe zu oft zu den anderen Booten geschaut.“ Aber dass die Besatzung in einem furiosen Finish die spurtstarken Kroaten niedergehalten hatte, das fand der Berliner dann doch wieder „einfach nur geil“. Frank Bachner

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