Sport : Rudern: Reinigender Knalleffekt im Achter

Frank Bachner

In den Fluten des Rotsees versank ein Mythos. Der Deutschland-Achter, Donnerwetter, darf nicht nach Sydney. Ein letzter Gruß, das Flaggschiff liegt auf Grund. Rudern wird in Deutschland über den Achter wahrgenommen, die anderen Boote dümpeln lediglich im Kielwasser des Großbootes. Der Achter nicht in Sydney, das ist ein Knalleffekt. Allerdings war der zu erwarten, und deshalb kam das Debakel nicht überraschend. Das liegt an der ganze Geschichte dieses prestiegebeladenen Bootes und an seinen Grabenkämpfen. Die Achter-Leute pflegen seit Jahren einen harten Konkurrenzkampf. 1988 stapfte Ansgar Wessling laut fluchend davon, nach Olympia 1992 flogen Hans Sennewald und Detlef Kirchhoff heftig schimpfend aus dem Boot. Und dass Bundestrainer Ralf Holtmeyer vor Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen regelmäßig die halbe Besatzung austauschte, gehörte zur Routine. Doch das Erfolgsrezept war zugleich eine Gratwanderung. Die Masche lief sich fest, Holtmeyers Autorität ließ nach, und dass der Achter jetzt so jämmerlich baden ging, ist auch das Ergebnis eines Abnützungsprozesses. Kurzzeit-Schlagmann Dirk Meusel ortete vor sogar Sabotage an Bord, weil im angeblich einige Leute beim Weltcup in München bewusst langsam gerudert seien. Dass Holtmeyer die Tagesarbeit mit seinem Lieblingskind abgab, zeigt, wie sehr er mit seinem Latein am Ende war.

Jetzt kullern Tränen ins Waser des Rotsees, und dennoch: Der Schaden hält sich in Grenzen. Der Knall hatte etwas Reinigendes. Er war überfällig, und jetzt besteht die Chance zum Neuaufbau. Und diese Chance ist gut: Denn Holtmeyer wird wohl auf Distanz zum Boot bleiben.

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