Sport : Rudi Völler: Der Kapitän verlässt das gerettete Schiff

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Oliver Bierhoff zog von der Strafraumlinie ab. Sein Schuss war weder hart noch platziert, doch der albanische Torhüter ließ den Ball unter seinem Körper hindurch über die Linie rutschen. Oliver Bierhoff trifft - beim Reservisten-Beschäftigungskick in der Halbzeitpause des Spiels Albanien gegen Deutschland. Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes hatte sich aufs Feld gemogelt und ins Tor gestellt. Fehlte eigentlich nur noch, dass der Torhüter Bierhoff vor dessen Schuss zugerufen hat: Halt ich! Halt ich!

Es war kein gutes Jahr für den nominellen Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Vor genau 366 Tagen hat Bierhoff sein letztes Länderspieltor erzielt. "Vielleicht ist der Oliver Bierhoff, so wie die Dinge gelaufen sind, der Verlierer der Saison", sagte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder in Tirana. Vor einer Woche, gegen die Slowakei, spielte er wenigstens eine Halbzeit lang, vergab zwei Chancen. Am Samstag in Finnland spielte er acht Minuten, vergab keine Chance, weil er keine hatte. Gegen Albanien hatte Bierhoff keine Chance, weil er nicht mehr spielte.

Zwölf Minuten durfte sich Bierhoff der Illusion hingeben, in Tirana zu seinem 57. Länderspieleinsatz zu kommen. Zwölf Minuten dauerte das Aufwärmprogramm des Mittelstürmers, dann hatte Teamchef Rudi Völler zum dritten Mal gewechselt. Bierhoff setzte sich wieder auf die Bank. Völler sagte nach dem Spiel: "Mit dem Oli gibt es überhaupt keine Probleme." Auch weiterhin hält der Teamchef an der Version fest, dass Bierhoff der Nationalmannschaft noch helfen könne. "Wie ich den Oli kenne, wird er jetzt erst mal versuchen, den Kopf ein bisschen frei zu bekommen, und im kommenden Jahr wieder angreifen", sagte Völler. Bierhoff selbst sagte nichts. Vielleicht wollte er nichts sagen. Es hatte ihn aber auch niemand gefragt.

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