Sport : Rudi Völler: Verdienter Abschied eines netten Kerls

Frank Bachner

Schade eigentlich, dass sie gestern im Fernsehen über Rudi Völlers Kopf nicht noch einen kleinen Heiligenschein eingeblendet haben. Der hätte doch so schön ins Gesamtbild gepasst. Rudi Völler Superstar. Gestern ist er abgetreten als Leverkusener Teamchef, mit einer makellosen Bilanz. Sieben Spiele, keine Niederlage, Bayer spielt wieder oben mit. Starke Leistung von einem Trainer ohne Lizenz, der in Sekundenschnelle einen Job annahm, den Christoph Daum aus den bekannten Gründen abgeben musste.

Diese Bilanz hat natürlich viel mit Völlers Ausstrahlung zu tun. Völler war als Stürmer fast eine Legende, er genießt automatisch den Respekt, den sich Christoph Daum, der frühere Amateurspieler, hart erarbeiten musste. Völler war als Trainer bei Bayer Leverkusen stets nur eine Übergangslösung, so einen betrachten Profis normalerweise als lästige Beigabe. Völler aber haben sie ernst genommen. Aber nicht nur wegen seiner charismatischen Ausstrahlung. Völler setzte eigene Akzente. Er setzte zum Beispiel auf Adam Matysek als Torhüter. Daum hatte den Polen noch degradiert, unter Völler sicherte er wertvolle Punkte.

Natürlich haben auch die Leverkusener Spieler ihr Verdienst am Aufschwung. Völlers Bilanz wäre anders ausgefallen, wenn sie die Daum-Affäre nicht so kaltblütig weggesteckt hätten. Eine starke Leistung? Die Spieler sind Profis mit Millionengehältern. Dass sie seelisch nicht aus den Schuhen kippten, war nicht mehr als ihre Dienstpflicht.

Völler geht zum richtigen Zeitpunkt. Er geht, bevor er zum normalen Trainer absteigt. Die erste Niederlage war programmiert, und im Tagesgeschäft Bundesliga werden auch Superstars schnell zu Hampelmännern degradiert. Völler wäre es nicht anders gegangen. Zum Glück hört er jetzt auf, solange noch unsichtbar ein Heiligenschein über ihm schwebt. Außerdem ist Völler ein so netter Kerl, dass er sich einen solchen Abschied einfach verdient hat. Er schon.

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