Sport : Rudi Völlers wundersame Rettung

Bei der Europameisterschaft hatten die deutschen Fans nicht viel zu lachen. Eine Hand voll neuer Fußball-Comics tröstet über das Ausscheiden hinweg

Lars von Törne

Die deutsche Nationalelf schwächelt. Rudi Völler will alles hinschmeißen. Da stößt mit Hilfe der beiden Fußballfans Fritz und Walter (!) ein unbekanntes Talent zur Mannschaft, ein grunzender Riese namens Gregor, der wie ein junger Gott spielt, aber bei Rudis Truppe auf wenig Gegenliebe stößt. Er verwickelt die Nationalelf in eine turbulente Komödie, an deren Ende aus den erfolglosen Rumpelfüßlern wieder Rudis Riesen werden.

Was nach der Niederlage von Lissabon und Völlers Rücktritt wie ein melancholischer Traum klingt, ist zumindest in der bunten Fantasiewelt der Comics möglich. „Ein Mann für Tante Käthe“ heißt die Geschichte von der wundersamen Rettung, die der renommierte norddeutsche Zeichner und Autor Volker Sponholz („Bertis Buben“) rechtzeitig zur EM veröffentlicht hat. Sponholz hat seine turbulente Story in einem halbrealistischen Stil gezeichnet, bei dem trotz karikierender Übertreibung zentrale Figuren wie Völler, Kahn oder Ballack mit all ihren Schwächen klar zu erkennen sind. Vor dem Hintergrund der Entwicklung in Portugal hat Sponholz’ wenig schmeichelhafte Beschreibung der Mannschaft sogar etwas Prophetisches.

An Fans des derberen Fußballhumors richtet sich „Der Bauch ist rund“, eine Sammlung schwarz-weißer Comic-Kurzgeschichten aus der Feder des Zeichners Glenn M. Bülow, die ebenfalls zur EM erschienen ist. Bülow erzählt in handwerklich souverän gezeichneten Strips von Horst Kowalewski, einem pickelnasigen Fußballtrainer aus dem Ruhrpott, der sich durchs Leben kalauert und dabei gerne und oft unter die Gürtellinie geht. „Verbale Blutgrätschen“ nennt das der Autor. Und die sind auf dem Spielfeld wie auf Papier nun mal nicht jedermanns Sache.

Ebenfalls deftig sind die Witze von Guido Schröter, der manchem Fußballfan durch seine Comicstrips im Magazin „11 Freunde“ bekannt sein dürfte. Der Hamburger Zeichner hat sich in seinem jüngst erschienenen Buch „Weltklasse“ die Nationalelf vorgenommen, die in seinen jeweils einseitigen Witzgeschichten als Ansammlung knollennasiger Trottel daherkommt, die sich abrackern und am Schluss doch immer den Kürzeren ziehen. Schröters Zeichenstil liegt zwischen Ralf König und Walter Moers, und sein respektloser Humor dürfte bei so manchem Portugal-geschädigten Fan ein paar entspannte Lacher provozieren.

Als absurdes Paralleluniversum wird die Fußballwelt in einem zur EM neu aufgelegten Gemeinschaftswerk der Cartoonisten Harald Fischer, Nicolas le Bars alias Nikolaz und Burkhard Fritsche alias Burkh beschrieben. „Cartoons für Fußballfans“ versammelt skurrile Szenen und bizarre Randerscheinungen aus den Stadien der Welt, erzählt von Spielern die eine ganze Halbzeit lang den Ball nicht abgeben, von Löwenfußball unter Kaiser Nero, den Schwierigkeiten des Frauenfußballs in Afghanistan und von vergesslichen Stürmern, die vor dem Tor nicht mehr wissen, wohin mit dem Ball.

Bei der EM-bedingten Welle aktueller Fußballcomics wollte natürlich auch der Altvater der gezeichneten Unterhaltung nicht fehlen: Donald Duck erlebt im aktuellen „Lustigen Taschenbuch“ sein ganz eigenes EM-Abenteuer in Portugal. Er ist in der Titelgeschichte die gute Seele des FC Entenhausen und wird auf der Mannschaftsreise an die Adria in eine kriminelle Psycho-Intrige verwickelt, die aus hochklassigen Spielern unmotivierte Luschen macht, die nur noch verlieren. Nach ein paar wilden Verfolgungsjagden und detektivischen Erkundungen findet Donald den Übeltäter, der hinter der Verschwörung steckt – und am Schluss siegt Entenhausen haushoch.

Ein Trostpflaster für Fußballfans, die auch in schweren Zeiten nicht die Hoffnung aufgeben, bietet der Berliner Künstler Eyk Hirschnitz alias Otto Hirsch an. Er hat zur EM im Selbstverlag das Büchlein „Fußball 1:0“ veröffentlicht, in dem er skurrile Anekdoten aus der Fußballgeschichte erzählt, die jeweils mit schwarz-weißen Zeichnungen illustriert sind. Sein Stil ist künstlerisch-karikierend, wirkt manchmal etwas ungelenk, hat aber in Verbindung mit den kurzen Texten durchaus Charme. Außerdem dürfte es für manche Fans nach dem 1:2 gegen Tschechien ganz beruhigend sein, vom Künstler daran erinnert zu werden, dass es noch weit schlimmer hätte kommen können. So wie beim WM-Qualifikationsspiel zwischen Australien und Amerikanisch Samoa im Jahr 2001, an das der Zeichner erinnert. Damals unterlag Samoa mit 0:31.

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