Sport : Rudolf Heß als Vorbild

Rechtsradikale Auswüchse im polnischen Fußball

Olaf S,ermeyer

Warschau - Der polnische Fußball-Zweitligist Lechia Danzig ist berüchtigt für seine Hooligans. Diese machten zuletzt aus einem gewöhnlichen Achtelfinal-Pokalspiel zwischen Lechia und dem Erstligaklub Pogon Stettin (0:2) eine rechtsradikale Demonstration und einen rassistischen Angriff auf farbige Fußballer. Schon beim Einlauf der Mannschaften ins Danziger Waldstadion flogen Dutzende Bananen in Richtung Stettiner Mannschaft. Im Kader der Stettiner befinden sich 18 Spieler aus Brasilien. Trotz der Bananen wurde das Spiel angepfiffen, das von den Danziger Hooligans fortwährend mit Affengebrüll und dem Schlachtruf „Unser Vorbild ist Rudolf Heß“ begleitet wurde. Rudolf Heß, Stellvertreter von Adolf Hitler in der Nazi-Diktatur, gilt in Polen als Gesicht der Judenverfolgung.

Nach 20 Spielminuten flogen wieder Bananen aufs Feld – konkret in Richtung des brasilianischen Stettiner Linksverteidigers Daniel Lopez Cruz, der die Bananen wieder zurückwarf. Ansonsten hielten sich die Brasilianer mit Kommentaren zurück. Lechia-Spielführer Maciej Kalkowski sagte: „So etwas wollen wir in unserem Stadion nicht mehr sehen.“ Klubpräsident Blazej Jenek sagte zwar, dass sein Verein alles tun werde, um solche Vorfälle künftig zu verhindern, kündigte aber keine Schritte gegen die Verantwortlichen an.

In Danzig ist die Fanszene überschaubar und polizeilich bekannt. Im Stadion, das von einem privaten Sicherheitsdienst geschützt wird und nicht von der Polizei, versammeln sich selten mehr als 2000 Zuschauer. Unter denen war allerdings Jacek Kurski, Bürgermeisterkandidat der Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) für die anstehenden Kommunalwahlen. „Ich habe gesehen, wie diese Dummköpfe Bananen auf die Brasilianer geworfen haben. Mit dieser Dummheit beeinflussen sie bloß die öffentliche Meinung. Aber ich sehe darin keine Ideologie, sondern nur absoluten Schwachsinn“, wird er in polnischen Medien zitiert. Der amtierende Danziger Bürgermeister, Pawel Adamowicz, wollte den Vorfall nicht kommentieren, weil er kein Augenzeuge war. Der polnische Fußballverband PZPN kann sich „eine Geldstrafe vorstellen“ , sagte dessen Vize-Präsident Eugeniusz Kolator. „Aber zunächst werden wir uns die Bilder von dem Spiel anschauen; entscheidend ist auch, wie viele Bananen geflogen sind.“

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