Sport : Rückkehr als Brüller

Der Hammerwerfer Markus Esser belegt in Daegu mit 79,12 Metern nur Rang vier – und ist trotzdem äußerst zufrieden

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Der richtige Dreh. Markus Esser hielt diesmal seine Nerven im Zaum. Foto: dpa
Der richtige Dreh. Markus Esser hielt diesmal seine Nerven im Zaum. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Markus Esser stand im Käfig und brüllte. Ein kurzer Schrei, der seine Aggressivität ausdrückte. Dann stieg er in den Ring, ließ seinen Hammer kreisen, rotierte und rotierte, warf den Hammer in den nächtlichen Himmel von Daegu. Markus Esser schrie und schrie, die Hände zu Fäusten geballt, dann bohrte sich der Hammer nach 77,88 Meter in den Rasen. Esser war frustriert. Er blieb auch nach seinem letzten Versuch auf dem vierten Platz, er hatte Bronze verpasst, er hätte weiter als 79,39 Meter werfen müssen. So weit war der Slowene Primoz Kozmus gekommen, der Titelverteidiger im Hammerwerfen bei der Leichtathletik-WM. Der Leverkusener Esser hatte in seinem besten Versuch 79,12 Meter geworfen, eine gute Weite für ihn, aber wieder mal zu kurz. Wieder Vierter.

Bei der WM 2005, bei der EM 2006, jedes Mal war der Leverkusener knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt. Gold ging diesmal an den Japaner Koji Murofushi (81,24), Silber an den Ungarn Krisztian Pars (81,18). Doch der Frust des Markus Esser hielt nur ein paar Sekunden. „Ich bin happy“, sagte er später. „Ich bin zwar etwas schwer in den Wettkampf reingekommen, aber dann habe ich diese 79,12 Meter rausgehauen, man kann sagen, Markus Esser ist wieder da.“ Er war nämlich mal gefühlt sehr weit weg gewesen, bei internationalen Großereignissen jedenfalls. Bei der WM 2009 landete er nach mehreren Fehlversuchen gerade noch auf Rang sechs. Danach hockte Esser auf einer Bank und heulte. 2010, bei der EM, bot sich ein ähnliches Bild. Esser heulte zwar nicht, aber er schlich trotzdem traurig aus dem Stadion. Er hatte mit für ihn blamablen 71,89 Metern das Finale verpasst. Eine Frage der Nerven, wie schon bei der WM 2009. Esser ist ein Bär von einem Mann, aber er zitterte vor dem Heimwettkampf wie ein junger Schauspieler vor dem ersten großen Auftritt.

Diesmal begann er zwar mit einem Fehlversuch, aber im fünften Versuch gelang ihm ein Moment der Befreiung: die 79,12 Meter. Er blieb damit bester deutscher Athlet an diesem dritten Wettkampftag in Daegu. Malte Mohr war im Stabhochsprung ebenfalls mit Medaillenhoffnungen gestartet, belegte aber mit 5,85 Metern nur den fünften Platz. Im Kugelstoßen der Frauen belegten Nadine Kleinert (19,26 Meter) und Christina Schwanitz (17,96 Meter) die Plätze acht und zwölf.

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