Sport : Rückkehr aus Imagegründen

Jacques Villeneuve bietet sich in der Formel 1 dem BAR-Team an, das er im Streit verlassen musste

Karin Sturm

Budapest - Das Durcheinander bei den Transfers in der Formel 1 in dieser Saison lässt inzwischen sogar Undenkbares möglich erscheinen. Ausgerechnet Jacques Villeneuve bietet sich nun bei BAR-Honda als Nachfolger des wechselwilligen Jenson Button an – obwohl er sich im vergangenen Jahr im Streit von dem Rennstall getrennt hatte und seitdem arbeitslos ist.

Der kanadische Weltmeister von 1997 war einer der Ersten, der nach Bekanntwerden des ganzen Wirbels um den Wechsel Buttons zu BMW-Williams bei Teamchef David Richards anrief. In der englischen Zeitung „Sun“ erklärte Villeneuve jetzt: „Ich hätte absolut nichts dagegen, wieder bei BAR zu fahren.“ Zwar habe er im letzten Jahr mit Richards einige Probleme gehabt, „aber ich denke, wenn wir uns zusammensetzen und darüber reden, ließe sich einiges ausräumen“. Villeneuve betonte noch einmal, dass er unbedingt in die Formel 1 zurück wolle. Sogar beim Schweizer Rennstall Sauber hat er sich angeboten, nachdem seine Gespräche mit BMW-Williams gescheitert waren.

„BAR-Honda ist nach Ferrari derzeit das zweitbeste Team, und es hat das Potenzial, noch weiter nach vorne zu kommen“, sagte der Kanadier. Und: „Ich weiß, wie man Rennen gewinnt.“ Er und BAR-Honda seien eine ideale Kombination, wollte er damit wohl sagen. Sicher ist, dass Villeneuve zumindest bei den Ingenieuren von BAR-Partner Honda sehr willkommen wäre. Sie schätzen seine Arbeit sehr. „Er hat uns zwar manchmal gewaltig unter Druck gesetzt, weil er sehr viel fordert, aber letztlich verdanken wir es ihm, dass unser Motor heute so gut ist“, sagt einer von ihnen.

Auch der Hauptsponsor BAT wäre im Falle einer Rückkehr Villeneuves wohl glücklich, denn der Tabakkonzern favorisiert einen Fahrer mit werbewirksamer Ausstrahlung. In dieses Schema passt der eigenwillige Villeneuve viel besser als die anderen Kandidaten, die bisher mit BAR-Honda in Verbindung gebracht werden: Mika Häkkinen, David Coulthard, Olivier Panis, Anthony Davidson, Nick Heidfeld. Das sind allesamt gute Fahrer, aber von eher unscheinbarem Charakter.

Es ist gut möglich, dass Villeneuve nun auf den Einfluss von BAT hofft. Als er BAR verlassen musste, war der Konzern nicht begeistert davon, und Richards bekam das zu spüren. Den Teamchef könnte es nun auch treffen, wenn BAR den Transferstreit mit BMW um Button verliert. Richards ist nur ein Angestellter, dem man einen weiteren Fehler wohl nicht verzeihen wurde. Dann wäre der Weg zurück vielleicht sogar nicht nur für Villeneuve, sondern auch für seinen Manager, den früheren BAR-Teamchef Craig Pollock, frei. Pollock hält sich im Moment oft in China auf; er ist angeblich dabei, den Hauptsponsor des am 26. September erstmals ausgetragenen Grand Prix von China für BAR zu gewinnen.

Dass am Ende der Platz bei BAR doch nicht frei wird, weil Jenson Button noch eine Saison dort bleiben muss, glaubt kaum jemand. Die meisten stellen sich aber auf ein zähes Ringen zwischen BAR und BMW-Williams ein. „Es wird mit einem Vergleich enden“, sagt der ehemalige Fahrer und heutige RTL-Experte Christian Danner. Er erwartet das übliche Formel-1-Prozedere: „Button wird selbstverständlich bei Williams fahren, und BAR wird dafür einen Haufen Geld kriegen.“ Geld, das in die Technik investiert werden könnte. Denn Villeneuve wäre auch mit weniger Gehalt als früher zufrieden.

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