Sport : Rückkehr der Emotionen

Torsten Frings äußert sich vor seinem Comeback in der Nationalelf aufgebracht über Borussia Dortmund

Stefan Hermanns,Michael Rosentritt

Von Stefan Hermanns

und Michael Rosentritt

Berlin. Torsten Frings hat sich für sein Comeback in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Vor dem Länderspiel heute in Split gegen Kroatien übte der 27-Jährige massiv Kritik an der Führung seines Vereins Borussia Dortmund. „Von uns wird verlangt, dass wir Leistung bringen. Aber der Verein tut nichts dafür, dass wir in Ruhe Fußball spielen können“, hatte Frings gesagt. Der Mittelfeldspieler hatte dem Klub undurchsichtige Personalpolitik vorgeworfen und sogar über einen Wechsel zu Bayern München spekuliert. „Anscheinend braucht der Verein Geld. Wenn sie mich verkaufen wollen, sollen sie es sagen, damit ich in Ruhe planen kann.“

Michael Zorc, der Sportdirektor von Borussia Dortmund, reagierte gestern gelassen auf die Äußerungen des 23-maligen Nationalspielers. „Wir spielen den Medienfüller. Da werden Falschmeldungen zum Gegenstand genommen und verbreitet. Das geht schon seit Wochen so, in denen wir die Schlagzeilen bestimmen“, sagte Zorc dem Tagesspiegel. Dortmund habe Frings einem anderen Verein weder angeboten noch die Absicht, sich vom Nationalspieler zu trennen. „Das ist schlicht falsch, aber ganz offensichtlich in Mode gekommen. Leider hat Torsten sehr emotional reagiert, darüber werden wir uns nach seiner Rückkehr von der Nationalmannschaft unterhalten. Über einen Verkauf von Frings denken wir nicht mal im Ansatz nach.“

Auch Frings’ Berater Kon Schramm sagt, dass es keine offizielle Anfrage für den Mittelfeldspieler gegeben habe. „Torsten war einfach ein bisschen genervt von der Situation. Er ist nicht der Typ, der in den Schlagzeilen stehen will.“ Mit Beginn der Bundesliga- Rückrunde war Frings wieder in die Dortmunder Stammelf gerückt und hatte großen Anteil an den Siegen über Wolfsburg und 1860 München. Nun kehrt er nach einem Kreuzbandriss und halbjähriger Pause auch in die Nationalmannschaft zurück. Dort reagierte Frings auf Meldungen des „Kicker“, dass die Bayern den Spieler aus seinem bis Sommer 2006 laufenden Vertrag beim BVB auslösen wollten. Vor knapp zwei Jahren, als er noch bei Werder Bremen unter Vertrag stand, hatte der Rekordmeister schon einmal bei Frings angefragt. Damals stand er aber schon bei Borussia Dortmund im Wort.

Dortmunds Manager Michael Meier sagt: „Es wird beim BVB keinen Ausverkauf geben.“ Gereizt reagierte auch Trainer Matthias Sammer: „Welcher meiner Spieler, der die Kugel nur einigermaßen treffen kann, ist im Moment eigentlich bei keinem anderen Klub im Gespräch?“ Sammer kann die Spekulationen um Spielerverkäufe nicht verstehen: „Mir ist es egal, welche Spieler in Buxtehude im Winterschlussverkauf angeboten werden.“ Er wolle sich erst dann näher äußern, „wenn solche Transfers im Sommer nötig sein sollten“.

Sportdirektor Zorc will nicht ausschließen, dass sich der Verein wegen der angespannten finanziellen Lage von dem einen oder anderen Spieler trennen wird. Dass darunter auch Torsten Frings sein kann, „wäre denkbar“, sagt dessen Berater Kon Schramm. Aufgrund fehlender Einnahmen aus der Champions League rechnet die Dortmunder Vereinsführung für die laufende Saison mit einer Lücke von rund 35 Millionen Euro. „Ja, wir müssen sparen, aber das trifft nicht allein auf unseren Verein zu“, sagt Zorc. „Wenn wir uns von Spielern trennen, werden wir das ganz gezielt tun. Wir werden darauf achten, dass wir eine starke und ambitionierte Mannschaft behalten.“

Zuletzt hatte es Diskussionen über Notverkäufe gegeben. In der Winterpause hatte ein möglicher Transfer von Tomas Rosicky zum FC Chelsea Schlagzeilen geschrieben. „Das ist das beste Beispiel“, sagt Zorc: „Wir haben vom ersten bis zum letzten Tag der Wechselfrist gesagt, dass es kein Angebot für Tomas gibt. Und wir haben ihn auch nicht angeboten.“ Im Fall des Brasilianers Dedé hätte sich Bayern München erkundigt. „Es gab aber kein konkretes Angebot, und es finden derzeit keine Verhandlungen statt“, sagt Zorc. Zunächst werde man sich zusammensetzen. „Er soll uns sagen, was er will. Für uns ist er ein ganz wichtiger Spieler.“

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