Sport : Rückkehr der Verlorenen

Nur ein Sieg fehlt den SCC-Volleyballern zum Meistertitel

Karsten Doneck

Berlin. Der Wetterbericht für die Bodensee-Region verhieß nichts Gutes. Leichter Regen, acht Grad maximal – es gibt schönere Frühlingstage. Doch in der Gruppe junger Männer, die da Montag früh gemächlich am Seeufer entlangradelte, herrschte ausgelassene Stimmung. Kein Wunder. Es waren die Volleyballer des SC Charlottenburg, die sich vor dem Heimflug nach Berlin noch ein bisschen aktive Erholung gönnten. Anstrengend genug war das Wochenende für sie gewesen. Anstrengend, aber auch erfolgreich. Der SCC hatte innerhalb von 24 Stunden zwei Spiele gewonnen, in denen es den meisten Prognosen nach doch eigentlich nur um die Höhe der Niederlagen ging. 3:1 und 3:2 siegten die Charlottenburger beim zuvor in allen Saison-Heimspielen unbezwungenen VfB Friedrichshafen, liegen in der Play-off-Serie (best of five) nun 2:1 in Führung und können am Sonnabend in eigener Halle Deutscher Meister werden.

Als neuer Deutscher Volleyball-Meister fühlt sich der amtierende Meister indes noch längst nicht. „Es wäre fatal, wenn wir glauben würden, die ganze Sache wäre jetzt ein Selbstläufer“, sagt Günter Trotz, der Geschäftsführer des SCC. Die bisherigen drei Finalspiele brachten noch einmal den Beweis: Beide Mannschaften befinden sich leistungsmäßig auf Augenhöhe, die übrige Konkurrenz war schon in der normalen Bundesligarunde auf Bonsai-Format gestutzt worden. Bei derlei Ebenbürtigkeit zwischen zwei Vereinen entscheiden im Volleyball neben dem Glück auch Kleinigkeiten über den Ausgang einer Partie, oder, wie Trotz es formuliert: „Es geht viel über den Mentalbereich.“

Als Psychologe hat SCC-Trainer Mirko Culic in der vergangenen Woche ganze Arbeit geleistet. Eine Mannschaft, die nach der unglücklichen 2:3-Heimniederlage zum Auftakt der Play-off-Serie konsterniert und mutlos erschien, in einem Zeitraum von drei Tagen bis zum nächsten Spiel wieder aufzurichten, das erfordert ein hohes Maß an Geschick und Feinfühligkeit. „Mit zwei Auswärtssiegen habe ich wirklich nicht gerechnet“, staunte selbst Günter Trotz, sagte aber auch: „Wir konnten es unseren Fans einfach nicht antun, die Meisterschaft mit drei Niederlagen in Folge zu beenden.“

Dem SCC kam bei beiden Spielen in Friedrichshafen entgegen, dass sich der VfB nach dem 3:2 in Berlin schon zu nahe am Ziel wähnte. Die Vorzeichen sind jetzt eher umgekehrt. Der SCC hat zwei Matchbälle, um den Meistertitel erfolgreich zu verteidigen. Sollte dem VfB Friedrichshafen am Sonnabend in der Sömmeringhalle der 2:2-Ausgleich in der Play-off-Serie gelingen, würde das letzte und entscheidende Spiel tags darauf erneut in Berlin stattfinden. Trainer Culic sagt: „Wir haben es verdient, das Finale in Berlin zu haben.“ Nun muss die Mannschaft nur etwas daraus machen.

Und während Günter Trotz am Montag im Hotel Meier in Friedrichshafen die Koffer für den Heimflug packte, meldete sich seine Ehefrau Ingrid von daheim. Günter Trotz erfuhr, dass bei ihm zu Hause das Telefon dauerbesetzt sei. „Alle wollten Eintrittskarten für Sonnabend haben“, berichtete Trotz. Der SCC rechnet mit einer rappelvollen Halle.

Nach dem letzten Ballwechsel der Saison könnte die SCC-Mannschaft auseinander fallen. Außer Robert Kromm hat kein einziger Spieler der Charlottenburger einen Vertrag über das Saisonende hinaus. Aber es gibt positive Signale. Manager Kaweh Niroomand hat Gefallen gefunden an diesem Team. Er verkündet: „Wir wollen die Mannschaft, so wie sie ist, zusammenhalten.“

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