Rückkehr des Rekordweltmeisters : Die wichtigsten Fragen zu Schumachers Comeback

Die sensationelle Rückkehr des Rekordweltmeisters Michael Schumacher wirft Fragen auf. Hier werden die wichtigsten geklärt.

Christian Hönicke
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Rocken am Ring. Michael Schumacher fährt wieder los.Foto: dpa

Am Tag nach dem Erdbeben zitterte die Formel 1 noch immer. An einem nur mit dem Wort historisch zu beschreibenden Mittwoch hatte erst der deutsche Automobilbauer BMW das Ende seines Formel-1-Engagements angekündigt. Doch das war nur das Vorbeben, den wirklichen Ausschlag gab es erst gegen 18 Uhr 30, als der Rekordweltmeister Michael Schumacher seine Rückkehr ankündigte. Auch am Donnerstag legte sich der aufgewirbelte Staub nur langsam und gab den Blick frei auf das, was da passiert war. Und vor allem auf das, was da kommen möge. Denn Schumachers Comeback wirft alle möglichen Fragen auf.

Bekommt er überhaupt eine Fahrlizenz?

Ja. Der Automobil-Weltverband Fia teilte mit, Schumacher werde die benötigte Superlizenz, eine Art Formel-1-Führerschein, erhalten. Der 40-Jährige darf also einspringen, solange der Ferrari-Fahrer Felipe Massa fahruntüchtig ist. Der Brasilianer liegt nach seinem Unfall weiter im Krankenhaus in Budapest, soll aber am Montag entlassen werden. Sein brasilianischer Arzt Dino Altman hält sogar einen Start beim Grand Prix in Singapur Ende September für möglich. Auf einen Termin für das Comeback will sich Altman allerdings nicht festlegen.

Kann Schumacher das nächste Rennen in Valencia am 23. August gewinnen?

Schwierig. Bei einem privaten Kartrennen vor knapp zwei Wochen schlug Schumacher zwar einen Großteil der aktuellen Grand-Prix-Fahrer. Doch Niki Lauda, der einst als Rückkehrer Weltmeister wurde, sagte: „Man darf keine Wunder erwarten.“ Schließlich kenne Schumacher weder Strecke noch Auto, zudem sei der Ferrari kein Top-Auto. Das alles weiß wohl auch Michael Schumacher. „Er hat realistische Erwartungen“, teilte seine Pressesprecherin Sabine Kehm mit.

Darf Schumacher den aktuellen Ferrari F60 vorher noch einmal testen?

Offiziell nicht. Es herrscht während der Saison ein Testfahrverbot. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass Schumacher noch vor Valencia wieder hinterm Steuer sitzt, denn das Testverbot betrifft nur aktuelle Formel-1-Wagen. Deswegen versuche er gerade, mithilfe der Ferrari-Sparte „F1 Clienti“, die mit älteren Rennwagen der Italiener handelt, ein älteres Formel-1-Modell zu organisieren, hieß es aus seinem Umfeld. Wenn Schumacher einen solchen Ferrari auftreiben und damit ein wenig fahren wolle, dann sei das schließlich seine Privatsache, hieß es in seinem Umfeld. Als Teststrecke kämen dafür diverse Kurse in Italien infrage, unter anderem Mugello und Imola. Laut „Gazzetta dello Sport“ wird er sich zudem in den Fiat-Simulator nahe Turin begeben. Außerdem gibt es die Möglichkeit eines sogenannten Straight-Line-Tests, bei dem das aktuelle Auto für einen Aerodynamiktest zumindest kurz auf einer Geraden ausgefahren werden kann. Zuletzt saß der 91- malige Grand-Prix-Sieger im April 2008 bei einem Test im Ferrari.

Ist Schumacher fit genug, um in der Formel 1 mithalten zu können?

Es hat den Anschein. Die Untersuchung zum Fitnesszustand werde jedoch einige Tage in Anspruch nehmen, erklärte der Chefarzt der Sportklinik in Bad Nauheim, Johannes Peil, der dpa. Auch nach seinem Karriereende 2006 hatte Schumacher weiter mit der Klinik zusammengearbeitet. „Wenn Michael nicht so hart in all den vergangenen Monaten gearbeitet hätte, wäre das alles gar nicht möglich“, sagte Peil. Um sein Fitnessniveau noch weiter zu erhöhen, wurde nun ein Trainingsplan für ihn erstellt. Schumacher strampelt nun auf dem Rad und holte seine alte Nackenmuskulaturmaschine aus dem Keller.

Was ist mit seinem Nacken?

Den hatte sich Schumacher bei seinem schweren Motorradunfall Anfang des Jahres in Spanien genauso verletzt wie seine Schulter. „Der Nacken ist ein Risiko“, räumte Sabine Kehm ein. Er ist nämlich der neuralgische Punkt eines Formel-1- Piloten, denn beim Beschleunigen, Bremsen und in Kurven wirken Kräfte, die teilweise dem Fünffachen der Erdanziehung entsprechen. Schumachers früherer Fitnesstrainer Harry Hawelka erklärte einst dem Tagesspiegel: „Michaels Kopf wiegt normalerweise sechs Kilogramm, mit Helm sieben. Wenn er in voller Geschwindigkeit durch eine Kurve fährt, sind es fast 40 Kilo.“ Das passiert etwa 300 Mal pro Rennen. Hawelka: „Um das auszuhalten, muss der Pilot seine Nacken- und Schultermuskeln trainieren.“ Zwei bis drei Stunden verbringen Piloten täglich im Fitnessraum, einen Großteil dieser Zeit widmen sie dem Nacken. Starke Nackenmuskeln helfen auch, einen Unfall zu überstehen. Deswegen, hieß es aus Schumachers Umfeld, müssten sich der Deutsche und Ferrari hundertprozentig sicher sein, dass er diese Belastungen übersteht.

Gibt es Beispiele für gelungene Comebacks in der Formel 1?

Nicht viele Grand-Prix-Helden sind nach dem Ende ihrer Laufbahn wieder zurückgekehrt. In Erinnerung blieb vor allem der Auftritt von Nigel Mansell. Der Weltmeister von 1992 kehrte Ende 1994 noch einmal zurück und konnte in zwei Rennen 13 Punkte holen. Die folgende Saison verlief nicht so gut: Aufgrund seines Hüftspecks passte der Brite nicht mehr ins Cockpit und wurde nach zwei Rennen gefeuert. Besser machte es Niki Lauda. Der Österreicher trat 1979 zurück, überlegte es sich jedoch 1982 anders und wurde 1984 sogar zum dritten Mal Weltmeister. Damals war er allerdings fünf Jahre jünger als Schumacher heute.

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