Sport : Rückkehr eines Stürmers

Kevin Kuranyi trifft wieder und führt Schalke zum 2:0-Sieg gegen Bremen

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Der Anspruch des FC Schalke 04? Ein Platz in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga, und zwar „mittendrin“, wie Cheftrainer Mirko Slomka sagt. Beim 2:0 gegen Werder Bremen untermauerten die Spieler in Königsblau diesen Anspruch zeitweise beeindruckend, nicht nur dank der Tore von Kevin Kuranyi und Hamit Altintop. Nach ihrem dritten Saisonspiel zogen sie mit sieben Punkten fürs erste an den Norddeutschen vorbei, die mit zwei Siegen in die Runde gestartet waren.

Zwei Tage vor der Partie hatte Slomka offen gelassen, ob er den zuletzt formschwachen Stürmer Kuranyi wieder in die Startelf berufen würde. Als Alternative hatte der Fußball-Lehrer Gerald Asamoah ins Gespräch gebracht, der im Training einen guten Eindruck hinterlassen hatte. Mit seiner dezent vorgetragenen Drohung wollte der Trainer Kuranyi, den Torjäger seines Vertrauens, offenbar anstacheln. Natürlich durfte der Angreifer, der seit dem 25. März in der Liga nicht getroffen hatte, gegen Bremen von Anfang spielen. Anders als eine Woche zuvor in Aachen brauchte der Mittelstürmer dieses Mal nicht zu befürchten, zu einer belächelten oder bemitleideten Halbtagskraft zurückgestuft zu werden. Kuranyi rechtfertigte das Vertrauen seines Vorgesetzten bei der ersten Gelegenheit. In der siebten Minute nutzte er vor 61 482 Zuschauern in der Arena auf Schalke eine Flanke von Linksaußen Peter Lövenkrands mit dem Kopf zum Führungstreffer. Im Luftduell gegen Verteidiger Pierre Womé zeigte Kuranyi das Durchsetzungsvermögen, das er allzu oft hatte vermissen lassen.

Den Bremern fiel es von Beginn an schwer, geordnete Angriffe vorzutragen. Es dauerte bis zur zwanzigsten Minute, ehe Klose als erster einen Torschuss wagte – es sollte für lange Zeit der letzte sein. Der Nationalstürmer brachte Torhüter Manuel Neuer, der abermals den verletzten Frank Rost vertrat, nicht in Bedrängnis. Wenig später stand Kuranyi zum zweiten Mal zum Torschuss bereit. Doch Verteidiger Naldo zeigte sich wachsam und lenkte die Flanke von Kobiaschwili zur Ecke neben das Tor. Und noch eine gute Möglichkeit bot sich den Schalkern. Halil Altintop kam im Strafraum zum Schuss, scheiterte aber an Schlussmann Tim Wiese, der rechtzeitig sein Tor verlassen hatte, um den Winkel zu verkürzen. Kurz vor der Pause vergab Lövenkrands eine weitere Chance, auch er scheiterte am aufmerksamen Wiese, der zum besten Bremer wurde.

Zur Halbzeit wurden die Gelsenkirchener zwar mit Beifall in die Kabine verabschiedet. Dennoch konnten sie sich ihrer Sache noch nicht sicher sein. So forsch sie die Bremer auch zurückdrängten, so schludrig gingen sie im Abschluss zu Werke. Schon kurz nach der Pause bot sich die Gelegenheit, klare Verhältnisse zu schaffen. Kuranyi sah sich nur noch dem Torwart gegenüber, kam aber nicht an Wiese vorbei, der Ball und Gegner wieder geschickt den Weg versperrte. Nach knapp siebzig Minuten war auch dieser Arbeitstag für den Stürmer vorzeitig beendet; diesmal verzichtete der Trainer jedoch unfreiwillig auf seinen Spieler. Kuranyi war angeschlagen. Der Wechsel sollte der Schaden der Schalker aber nicht sein. Mittelfeldspieler Hamit Altintop war erst drei Minuten auf dem Platz, da führte er mit einem gefühlvollen Schuss ins lange Eck die Entscheidung herbei.

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