Sport : Rückkehr eines Verstoßenen

Starschiedsrichter Collina darf neu anfangen

Vincenzo Delle Donne

Rom - Vom Geschmähten, der angeblich in den italienischen Fußballskandal verwickelt war, zum Retter der italienischen Schiedsrichterzunft: Pierluigi Collina hat innerhalb eines halben Jahres eine wundersame Wandlung erlebt. Doch ganz gelang der Rollentausch des 47-jährigen Starschiedsrichters aus Viareggio nicht. Zunächst wurde Collina nach dem Rücktritt von Schiedsrichterobmann Stefano Tedeschi als Nachfolger gehandelt. Aber seine lukrativen Verträge mit dem Pay-TV-Sender Sky und einer renommierten Wirtschaftszeitung, für die er sich als Kolumnist verdingt, verhinderten die Rückkehr in Italiens Profifußball. Immerhin: Jetzt soll der frühere Fifa-Schiedsrichter dem kommissarischen Präsidenten des Verbandes, Luca Pancalli, und dem neuen Schiedsrichterkoordinator Cesare Gussoni als Berater zur Seite stehen – unentgeltlich, wie es heißt.

Ende Mai traten aufgrund von Abhörprotokollen neue Verdächtigungen auf, die eine Verwicklung Collinas in den Fußballskandal vermuten ließen. Der kahlköpfige Referee soll nicht nur von Manipulationen des Managers von Juventus Turin, Luciano Moggi, gewusst haben, sondern auch beim Aufbau eines Gegenkartells des Konkurrenten AC Milan geholfen haben. Collina wurde von der Staatsanwaltschaft verhört, doch das Verfahren gegen ihn wurde von den Sportgerichten eingestellt, aus Mangel an Beweisen.

Italiens Schiedsrichter der Serie A und der zweitklassigen Serie B stehen derzeit dermaßen in der Kritik, dass ihr Obmann Stefano Tedeschi unlängst den Rücktritt erklärte. Zu viele Fehler hatten sich die „neuen“ Schiedsrichter geleistet, die den Manipulationsskandal überwinden helfen sollten. In dieser Situation schien Collina die einzige Rettung. „Er ist unser idealer Kandidat“, bekannte Verbandspräsident Pancalli. Doch Collina forderte einen Dreijahresvertrag mit einem Jahressalär von 800 000 Euro – ohne Ausstiegsklausel, dazu aber mit umfangreichen Vollmachten. Der Verband kann zurzeit aber derartige Gagenforderungen nicht erfüllen.

Collina, der als Finanzberater tätig ist, wollte schließlich selbst nicht mehr in eine laufende Meisterschaft eingreifen. Deshalb hat er sich für die Beratertätigkeit entschieden. Außerdem gefährdet Collina mit einer solchen Entscheidung nicht seinen Posten in der Schiedsrichterkommission der Uefa. Nicht ausgeschlossen, dass Collina in der nächsten Saison wieder „Schritt für Schritt in das italienische Schiedsrichterwesen integriert“ wird, wie Verbandspräsident Pancalli vielsagend ankündigt.

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