Rückkehr in die Heimat : Hertha BSC leiht Lucio nach Brasilien aus

Nach seiner schweren Knieverletzung ringt der Mittelfeldspieler um Anschluss. Jetzt soll Lucio bei Gremio Porto Alegre die Spielpraxis sammeln, die ihm Trainer Lucien Favre in Berlin nicht garantieren konnte. Hertha erhält für den Transfer rund 250.000 Euro.

Stefan Hermanns
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Weg, aber nicht verkauft. Lucio soll in Brasilien ein Jahr Spielpraxis sammeln und dann nach Berlin zurückkehren. -Foto: dpa

Am Freitag werden sich ihre Wege zum vorerst letzten Mal kreuzen: Wenn die Spieler von Hertha BSC aus Kopenhagen von ihrem Europa-League-Spiel nach Berlin zurückkehren, wird ihr Kollege Lucio die Stadt bis auf Weiteres verlassen. Der Brasilianer fliegt dann in seine Heimat und lässt Hertha erst einmal hinter sich. Der Berliner Fußball-Bundesligist leiht den Mittelfeldspieler für ein Jahr an seinen ehemaligen Klub Gremio Porto Alegre aus. Beide Vereine haben sich auf den Transfer geeinigt, der Hertha rund 250.000 Euro einbringt. Und auch Lucio hat dem Geschäft zugestimmt, nachdem er von der Idee erst nicht besonders begeistert war. „Er steht dahinter“, sagt Herthas Manager Michael Preetz.

 

Das war anfangs noch anders. Lucio hatte zunächst tief verärgert auf das Ansinnen seines bisherigen Arbeitgebers reagiert, ihn auszuleihen. Vor allem von Trainer Lucien Favre fühlte er sich verschaukelt. Dessen Verhalten sei respektlos, sagte der Brasilianer der Presse; unter dem Schweizer werde er nicht mehr für Hertha spielen. „Das hat er in seiner ersten Erregung geäußert“, sagt Preetz. „Er war emotional ein bisschen angefasst. Das versteh ich.“ Aber es gehe nicht darum, Lucio loszuwerden: „Wir reden nicht davon, ihn zu verkaufen.“ Nach einem Jahr bei Gremio soll der Brasilianer nach Berlin zurückkehren, sein Vertrag bei Hertha läuft dann noch bis zum Ende der Saison 2010/2011.

 

Lucio hatte sich nach seiner schweren Knieverletzung vor knapp zwei Jahren wieder an die Mannschaft herangearbeitet und sich zuletzt Hoffnungen auf eine Rückkehr auf den Platz gemacht. Bei jeder Gelegenheit sagte der Brasilianer, er habe keine Schmerzen mehr und fühle sich immer besser. Dann lachte er. Doch seine Selbstwahrnehmung stimmte offensichtlich nicht mit der seines Trainers überein. „Er hat es in der Vorbereitung nicht geschafft, den Trainer zu überzeugen“, sagt Preetz. Bei keinem der bisherigen drei Pflichtspiele stand Lucio im Kader. Lediglich zwei Kurzeinsätze hat er am Ende der vergangenen Saison für Hertha bestritten.

 

Bei seinem Heimatverein soll der Brasilianer jetzt die Spielpraxis bekommen, die ihm Favre in Berlin nicht garantieren konnte. Und wenn er dann im nächsten Sommer zu Hertha zurückkehrt, „dann ist er hoffentlich der alte Lucio“, sagt Michael Preetz.

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