Rückkehr nach Berlin? : Hertha spricht mit Pantelic

Rettet Marko Pantelic Hertha BSC vor dem Abstieg? Was unglaublich klingt, könnte im Winter wahr werden. Gespräche gibt es schon – und eine Liebeserklärung.

Sven Goldmann,Ingo Schmidt-Tychsen
Europa League - Dinamo Zagreb - Ajax Amsterdam
Noch trägt er das Ajax-Trikot. Marko Pantelic (rechts) könnte im Winter zur Hertha zurückkehren.Foto: dpa

Berlin - Was kann Hertha BSC noch retten? Ein Sieg wäre mal nicht schlecht im immer aussichtsloseren Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Aber weil das nicht klappt, braucht es andere Zeichen. Den Trainer hat Hertha schon ausgewechselt, doch die Fortschritte von Friedhelm Funkel sind noch nicht zählbar. Also bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten für ein Wunder. Außer die eine, die eigentlich undenkbar scheint, aber nicht mehr unmöglich ist: Einige Zeichen sprechen dafür, dass die Berliner Marko Pantelic von Ajax Amsterdam zurückholen.

Nach Informationen des Tagesspiegels haben Herthas Manager Michael Preetz und Pantelic bereits Kontakt aufgenommen. Preetz setzt alles daran, Pantelic zurückzuholen. Pantelic selbst soll schon sein Interesse bestätigt haben, im Winter zu wechseln, aber angeblich noch andere Möglichkeiten haben. Pantelic selbst sagt am Telefon immerhin: „Jeder weiß, dass ich Hertha noch immer in meinem Herzen trage. Ich liebe die Leute in Berlin.“

Wie ein Dementi klingt das nicht. Auch nicht die Aussage von Pantelics juristischem Berater, Wolfgang Müllenbrock, der zu Protokoll gibt: „Ich möchte mich nicht an Spekulationen beteiligen und werde keine Aussage dazu machen.“ Herthas Vereinsführung wollte sich gestern nicht äußern. In vier Jahren hat der Stürmer mit der Apachenfrisur 45 Bundesligatore für Hertha geschossen. Im Dezember wird sich noch einmal ein Transferfenster öffnen und Hertha Gelegenheit geben zur Korrektur der bisherigen Personalplanung. Trainer Friedhelm Funkel will einen Stürmer, der Deutsch spricht, die Liga kennt und keine lange Eingewöhnungszeit braucht. Und Pantelic hat Hertha immer als Herzensangelegenheit bezeichnet. Keinem Verein hat er in seiner sprunghaften Karriere so lange die Treue gehalten wie dem aus Berlin, mit dem er im Frühjahr beinahe Deutscher Meister geworden wäre.

Auch am Sonntag, beim 0:1 in Köln, war deutlich zu sehen, woran diese Mannschaft krankt und warum sie nicht ganz zu Unrecht auf dem letzten Tabellenplatz steht. Hertha hat keinen Stürmer, der aus einer Chance ein Tor macht und zur Not auch aus einer halben. Genau das hat Marko Pantelic in seinen vier Berliner Jahren nahezu perfekt verstanden. Das hat ihn bei den Fans zum Helden werden lassen, dem im Olympiastadion heute noch gehuldigt wird.

Pantelic ist auch beliebt, weil er ein eigensinniger Kopf geblieben ist. Egal, ob er den Amerikanern die Schuld am jugoslawischen Bürgerkrieg gibt oder seinen Trainer als Feigling bezeichnet – er sagt immer, was er denkt, auch wenn es zuweilen seltsam wirkt. Herthas früherem Trainer Lucien Favre hat das nicht gefallen. Auseinandergegangen ist die Beziehung zwischen Klub und Spieler aus zwei Gründen. Zum einen waren Pantelics Vorstellungen von der finanziellen Ausgestaltung einer gemeinsamen Zukunft nicht kompatibel mit den Möglichkeiten des Klubs. „Er wollte einen Siebenjahresvertrag und so viel Gehalt, das wage ich gar nicht zu sagen“, hat Lucien Favre noch im Sommer erzählt. Er selbst war der zweite Grund. Favre hatte eine weitere Zusammenarbeit abgelehnt, und Pantelic fühlte sich von seinem Trainer nicht angemessen gewürdigt. Zudem missfiel Favre die Spielweise des Serben: Er hielt für seinen Geschmack zu lange den Ball, war zu egoistisch und mochte sich nicht in des Trainers System fügen. Jetzt ist Favre weg und für Pantelic der Weg frei.

Im Moment, sagt Pantelic noch, wolle er sich auf Ajax konzentrieren. Nach Anfangsschwierigkeiten ist er mittlerweile gut angekommen. Aber was später kommt, lässt Marko Pantelic nun bewusst offen. Er sagt: „Spätestens im Januar wird man alles Weitere sehen, soviel kann ich sagen.“ Für die Hertha-Fans klingt das sicher schon wie ein Wunder.

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