Sport : Rückpass in die Vergangenheit

Ein Fußballspiel lässt alte Feindschaften zwischen Japan und China wieder aufbrechen

Harald Maass[Peking]

Es begann mit harmlosen Pfiffen der chinesischen Fußballfans. Dann tauchten beim derzeit in China stattfindenden Asien-Cup Transparente auf, die Japans Kriegsvergangenheit kritisierten. Es kam zu Rangeleien nach den Spielen, bösen Wortgefechten. Mittlerweile beschäftigen die Animositäten rund um das Fußballturnier die Regierungen in Tokio und Peking. Der Streit zeigt die unbewältigte Geschichte zwischen den asiatischen Nachbarn.

6000 Sondereinheiten der Volksbefreiungsarmee werden am Samstag das Arbeiterstadion in Peking bewachen, wenn Japan und Chinas Fußballer im Finale aufeinander treffen. Um Ausschreitungen zu verhindern, würden die japanischen Fans in einem speziell gesicherten Abschnitt des 65 000 Zuschauer-Stadions sitzen, erklärten die Veranstalter. Die japanische Botschaft in Peking gab am Freitag dennoch eine Sicherheitswarnung heraus. Japans Anhänger sollten nicht im Nationaltrikot durch Peking gehen und Menschenansammlungen vermeiden, hieß es in einer Mitteilung der Botschaft.

Ein halbes Jahrhundert nach dem Zweiten Weltkrieg und der japanischen Invasion 1937 hegen viele Chinesen bis heute eine tiefe Abneigung gegen das Nachbarland. Die Kriegsverbrechen der japanischen Soldaten, für die sich Tokio aus Chinas Sicht nie richtig entschuldigt hat, sind bis heute unvergessen. „Schaut euch die Geschichte an, und entschuldigt euch bei den Menschen in Asien“, hieß es auf einem der vielen Transparente, die chinesische Fans bei den Auftritten der japanischen Fußballer hochhielten. Nach einem Spiel umstellten chinesische Fans den Mannschaftsbus der Japaner, der später nur mit Polizeischutz wegfahren konnte.

Japans Regierung reagierte angesichts der „feindlichen Stimmung“ empört. Außenministerin Yoriko Kawaguchi ermahnte die chinesischen Fans zur Zurückhaltung: „Dies ist kein Plus für die Verbesserung der chinesisch-japanischen Beziehungen.“ Sogar Premier Junichiro Koizumi meldete sich zu Wort: „Sport sollte ein Fest der Freundschaft sein“, sagte der Regierungschef. In Peking wollte man solche Belehrungen aus Tokio jedoch nicht hören. Bei den Ausschreitungen habe es sich um „bedauernswerte“ Einzelfälle gehandelt, sagte Außenamtssprecher Kong Quan Mitte der Woche.

Zu diesem Zeitpunkt war der Streit jedoch schon außer Kontrolle. Bei einer Pressekonferenz in Jinan kam es zu heftigen Wortgefechten zwischen chinesischen Journalisten und Vertretern der japanischen Mannschaft. Der Auslöser war eine fehlerhafte japanische Broschüre, zufällig von einem chinesischen Journalisten entdeckt, in der Taiwan nicht als Teil Chinas markiert war. Ein nationalistischer Aufschrei ging durch das Land. Das Pekinger Außenministerium habe sich offiziell bei der japanischen Botschaft über den Druckfehler beschwert, meldet die „South China Morning Post“.

In Chinas Internetforen rumort es. Für viele ist die Finale längst mehr als nur ein sportlicher Wettkampf. „Das ist eine fantastische Gelegenheit der Götter! Wir haben die Chance, die Japaner zu vertreiben und unsere Schande wegzuwischen“, schrieb ein Internetnutzer auf Sina.com. „Wir müssen den Krieg gegen Japan gewinnen“, heißt es auf der Webseite der Peking Universität. Ein anderer drohte: „Wenn China verliert, schaue ich nie wieder Fußball.“

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