Rückrunde : Hertha macht sich oben breit

Mit einem 2:1 (1:0)-Sieg gegen EIntracht Frankfurt haben sich die Berliner auf den zweiten Platz vorgeschoben. Marko Pantelic erzielte am Samstagnachmittag beide Hertha-Tore.

Stefan Hermanns
Pantelic
Das Sturmproblem. Marko Pantelic wird Hertha wohl verlassen.Foto: ddp

Berlin - Markus Pröll nutzte sämtliche Mittel der psychologischen Kriegsführung. Der Torhüter von Eintracht Frankfurt verkroch sich im Tornetz, nahm einen Schluck aus seiner Trinkflasche, nahm noch einen, lehnte sich an den Pfosten, klopfte mit dem rechten Fuß dagegen, dann erst begab sich Pröll auf seinen Platz auf der Torlinie, um sich dem Elfmeter von Cicero zu stellen. Das kleine Ablenkungsmanöver erzielte die gewünschte Wirkung. Der brasilianische Mittelfeldspieler von Hertha BSC schob Pröll den Ball mehr oder weniger in die Arme, anstatt das vielleicht vorentscheidende 2:0 für den Berliner Fußball-Bundesligisten zu erzielen. Das war typisch für Hertha an diesem Nachmittag. Die Mannschaft machte sich selbst das Leben schwer. Trotzdem sprang für die Berliner am Ende der siebte Heimsieg hintereinander heraus. Dank Marko Pantelic. Der Serbe erzielte beim 2:1 vor 40 000 Zuschauern beide Tore.

Vor einem Jahr hatte Hertha, ebenfalls zum Auftakt der Rückrunde, noch 0:3 gegen Frankfurt verloren. Diesmal erwischten die Berliner einen perfekten Start ins neue Fußballjahr. Nach einer Vorbereitung mit vielen Problemen hat sich das Team von Trainer Lucien Favre in der Spitzengruppe der Bundesliga festgesetzt. Hertha ist jetzt Tabellenzweiter.

Favre verzichtete zunächst auf die beiden Neuverpflichtungen: Marko Babic und Leandro Cufré saßen nur auf der Bank und wurden erst in der Schlussphase eingewechselt. Bei Cufré war das keine Überraschung, der Argentinier hatte nur einmal mit seinen neuen Kollegen trainiert – bei Babic schon eher, weil das Angebot an zentralen Mittelfeldfeldspielern nach den Verletzungen von Kacar, Dardai und Lustenberger minimal war. Favre stellte Maximilian Nicu neben Cicero auf die ungewohnte Position ins zentrale Mittelfeld. „Das war fast die einzige Lösung“, sagte Favre. „Er hat es sehr gut gemacht.“

Der Besetzung nach war Hertha offensiv wie nie; richtig in Gang kam das Angriffsspiel der Berliner zunächst allerdings nicht. Erst nach einer Viertelstunde wurde es erstmals gefährlich. Arne Friedrich flankte von rechts, Andrej Woronin versuchte einen Fallrückzieher anzusetzen, der Ball wurde geblockt, doch Marko Pantelic setzte nach und staubte zum 1:0 ab.

Das Tor war typisch für Pantelic. In der ganzen Vorbereitung hatte der Serbe kein einziges Mal getroffen, doch als es wieder ernst wurde, machte er den Unterschied. „Es war meine Intuition“, sagte Favre zu der Entscheidung, Pantelic von Beginn an spielen zu lassen. „Er hat es verdient.“ Der Stürmer war für die Frankfurter eine stete Gefahr. Nach einer halben Stunde holte Pröll ihn mit einer Grätsche im Strafraum von den Beinen, Schiedsrichter Kinhöfer wartete den Vorteil ab, und entschied dann auf Elfmeter – Cicero vergab diese Möglichkeit geradezu fahrlässig.

Was wäre Hertha ohne Pantelic? Nur eine Minute nach dem vergebenen Elfmeter hatte er die nächste gute Chance, Pröll aber wehrte seinen Schuss ab. Kurz nach der Pause beendete Pantelic dann erst einmal das aufkeimende Frankfurter Aufbegehren. 22 Meter vor dem Tor entledigte er sich mit einem Ausfallschritt der Bewachung durch Markus Steinhöfer, mit einem präzisen Schuss überwand er Pröll zum 2:0. „Er hat ein richtig gutes Spiel gemacht“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß über den Auftritt des Serben. „Viel mehr kann ein Stürmer nicht machen.“

Trotz der beruhigenden Führung brachte sich Hertha noch einmal in Bedrängnis. Nur drei Minuten währte der Zweitorevorsprung, dann stand Benjamin Köhler nach einem missglückten Schussversuch von Martin Fenin völlig frei am langen Pfosten: Der ehemalige Berliner vollendete zum 1:2. Frankfurt spielte nun mutiger, drängte, erarbeitete sich gute Möglichkeiten – und ließ den Berlinern dadurch mehr Raum zum Kontern. Die beste Chance vergab Raffael, der frei vor dem Frankfurter Tor nur einen Kullerball zuwege brachte.

Hertha musste bis zum Ende zittern. „Frankfurt hat sehr viel Druck gemacht“, sagte Favre. „Es war schwierig für uns, diesen Druck zu beherrschen.“ Am Ende war es wieder Torhüter Jaroslav Drobny, der seine Mannschaft vor einer Enttäuschung bewahrte. Mit zwei guten Paraden nach Kopfbällen von Kweuke und Meier rettete er Hertha den Sieg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben