Sport : Rückt Rummenigge in die Chefposition des "Kaisers"?

Uli Hoeneß über mögliche Personalwechsel und das verbesserte Image beim Meister

Für Uli Hoeneß, den Manager des Deutschen Fußballmeisters Bayern München, ist es klar: Falls Franz Beckenbauer im Herbst nicht mehr als Bayern-Präsident kandidieren sollte, wird Karl-Heinz Rummenigge sein Nachfolger. Uli Hoeneß: "Erstens denke ich, dass Franz wieder kandidieren wird. Selbst wenn Deutschland die Weltmeisterschaft bekommt und er im Organisationskomitee an herausragender Stelle mitarbeiten muss: Noch mehr Zeit als jetzt kann er für den DFB ohnehin nicht mehr opfern. Sollte Beckenbauer wirklich nicht kandidieren, wird Rummenigge Präsident. Das steht fest."

Eigene Ambitionen auf eine ehrenamtliche Führungsposition statt des Status als Manager hat Hoeneß nicht: "Ich bin mit meiner Rolle zufrieden. Ich bin zwar nominell ein Angestellter, aber faktisch regeln wir die Dinge wie Freunde, gleichberechtigt auf hohem Niveau. Einem Franz Beckenbauer würde nie einfallen, mir einen Befehl zu erteilen. Aber die Tatsache, geballte Kompetenz um sich zu wissen und ersetzbar zu sein, erleichtert die Alltagsarbeit enorm."

Ein radikaler Wandel hat sich laut Hoeneß in den letzten Jahren im Verhältnis zwischen Verein und Verband - egal ob DFB, Uefa oder Fifa - vollzogen. Dies mündet jetzt in die Strukturreform, die am 29. April vom DFB-Beirat verabschiedet wird und wonach die Bundesliga eine eigene juristische Person unter dem Dach des DFB wird. Hoeneß: "Die Fortschritte, die die Klubs erzielten, sind enorm. Deshalb hat DFB-Präsident Egidius Braun ja Probleme mit uns. Seien wir doch ehrlich: Der FC Bayern und die Liga finanzieren den DFB. Und wer die Musik bezahlt, redet eben auch mit."

Der FC Bayern hatte kürzlich mit der G 14, dem Zusammenschluss europäischer Top-Klubs, den Vorstoß unternommen, höhere Abstellungssummen für Nationalspieler zu erhalten. Der Deutsche Fußball-Bund will im Gegenzug Gelder aus der Fernsehvermarktung für seine Dienstleistung, Schiedsrichter zu stellen, die Sportgerichtsbarkeit zu garantieren, Terminpläne zu erarbeiten. Der Dialog über Geben und Nehmen ist noch nicht beendet.

Den internationalen Stellenwert Deutschlands sieht Hoeneß gerade auch wegen des FC Bayern auf einem hohen Niveau, auch wenn Deutschland in der Fifa-Exekutive nicht mehr vertreten ist und durch den Rückzug von Egidius Braun aus der Uefa dort auch den Posten eines Vize-Präsidenten verlieren wird. Hoeneß: "Wir genießen in Europa inzwischen eine Anerkennung wie Real Madrid. Das hat nicht mit unseren beiden Siegen jetzt zu tun. Alle behandeln uns mit Hochachtung, auch wegen der Art und Weise, wie wir mit der Niederlage von Barcelona umgegangen sind. Dass der Uefa-Präsident Lennart Johansson zu unserem 100. Geburtstag kommt und eine sehr persönliche Rede hält, ist ja kein Zufall."

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