Sport : Rückwärts in die Rückrunde

Im dritten Amtsjahr von Trainer Felix Magath ist beim FC Bayern kein Fortschritt zu erkennen

Daniel Pontzen[München]

Es blieben exakt zehn Minuten plus Nachspielzeit. Athirson hatte Bayer Leverkusen gerade 2:1 in Führung gebracht, erneut drohte Bayern München eine Niederlage, es wäre die fünfte gewesen im zwölften Saisonspiel. Das große Ganze stand in Frage, nie zuvor und nie danach war die Amtsperiode Felix Magaths in München dem Ende näher als am späten Nachmittag des 11. November. Ein paar Angriffe trennten den Trainer von seiner mutmaßlichen Demission bei den Bayern, vom Ende einer Ära, bevor sie eine werden konnte – trotz vier nationaler Titel in den ersten zwei Jahren.

Es ist noch mal alles gutgegangen. Durch zwei späte Tore wendeten die Münchner das Spiel noch, Magath durfte weiterarbeiten. Legt man nun nach Abschluss der Vorrunde die statistischen Kennwerte zugrunde, ist alles in allem in der Tat keineswegs von einer missratenen Vorrunde zu sprechen, wie Manager Uli Hoeneß nach dem Ausscheiden im DFB-Pokal bei Alemannia Aachen genervt klarstellte: Drei Punkte Rückstand in der Liga erscheinen aufholbar, und in der Champions League qualifizierten sich die Münchner als Gruppenerster für das Achtelfinale. Bei genauerer Bilanzprüfung wird jedoch deutlich, dass die passablen Zahlen zum Teil alarmierend schwache Leistungen kaschieren. Im dritten Amtsjahr von Felix Magath stagnieren die Bayern – bestenfalls. Was ihnen fehlt, ist eine klare spielerische Ausrichtung; so etwas wie eine taktische Kernaussage. Gerade gegen vermeintlich schwächere Gegner war dies regelmäßig zu beobachten.

Von seiner zwischenzeitlich eingeführten Drei-Stürmer-Strategie ist Magath wieder abgerückt, was das Intermezzo im Nachhinein als misslungenes Experiment erscheinen lässt. Nach der Rückkehr zur Rautenformation wurde erneut offenbar, dass der Kader keinen Spieler hergibt, der die nach Michael Ballacks Weggang entstandene Lücke hinter den Spitzen adäquat schließen kann. Vergleicht man die Leistungen mit jenen im ersten Jahr nach Magaths Amtsantritt, lässt sich eher ein Rückschritt feststellen.

Auch die Neuzugänge haben daran nichts ändern können. Mark van Bommel zählt zwar neben dem grundsoliden Eigengewächs Andreas Ottl zu den wenigen Positiverscheinungen der Hinrunde: Durch sein resolut-souveränes Auftreten hat sich der Mittelfeldmotor als Führungsfigur etabliert – entscheidende spielerische Impulse konnte er kaum setzen.

Lukas Podolski blieb der Durchbruch nicht nur infolge kleinerer Verletzungen verwehrt: Mit der für ihn neuen Verwendung als Teilzeitkraft kam er nicht zurecht, Mitte der Hinrunde beklagte er öffentlich fehlende Kommunikation mit dem Trainer. Seine Stärken konnte Podolski, der vor allem dann überzeugt, wenn er das Spiel vor sich hat, bei den selten auf Konter spielenden Bayern kaum einbringen. Prekärer dürfte die Lage für ihn werden, wenn mit Jan Schlaudraff ein ähnlicher, aber vielseitigerer Spielertyp als Konkurrent hinzukommt.

Ob die Bayern auch in großem Stil auf dem Spielermarkt zuschlagen werden, bleibt ungewiss. Nachdem Manager Hoeneß zuvor stets den strengen Hüter des Ersparten gegeben hatte, erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, man werde künftig bis zu 30 Millionen Euro für einen Spieler ausgeben. Angesichts der zahlungskräftigeren Konkurrenz aus Italien und England ist es aber mehr als fraglich, ob sich ein Weltstar tatsächlich die im internationalen Vergleich abgeschlagene Bundesliga antun wird. Im Gegenteil: Mit Owen Hargreaves will ein weiterer Münchner den Verein unbedingt verlassen. Sein Lieblingsarbeitgeber Manchester United wird sein Angebot morgen, pünktlich zum Beginn der Transferperiode, wohl auf 30 Millionen Euro erhöhen. Bislang lehnen die Münchner hartnäckig ab – was Uli Hoeneß, dem erklärten Freund des üppigen Festgeldkontos, schwerfallen dürfte: Der Transfer wäre der mit Abstand lukrativste Deal der Bundesliga-Geschichte.

Ins Münchner Trainingslager nach Dubai wird Hargreaves wohl in jedem Fall mitreisen. Dort gibt es viel zu tun. Magath gibt sich gewohnt zweckoptimistisch: Nun, da man im Gegensatz zur Vorbereitung nach der WM „endlich mal zusammen trainieren und auch etwas probieren“ könne, „werden wir sicher eine Formation finden, die wesentlich besser spielt als in der Vorrunde“. Dass es hierzu grundlegender Korrekturen bedarf, scheint Magath zu wissen.

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