Sport : Rückwärts in die Zukunft

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Frank Bachner erklärt, warum

Sandra Völker ihren Ruf gefährdet

Eines der Probleme der Top-Schwimmerin Sandra Völker hieß früher Dirk Lange. Sie selbst sah das natürlich anders. Lange war ihr Trainer, dann auch noch ihr Freund. Nur hatte er eine Zeitlang diesen Drang, Sportreporter anzurufen und ihnen triumphierend zu verkünden: „Sandra war schon wieder schneller als Franziska.“ Sandra Völker, wollte er damit sagen, ist doch viel besser als das Glamourgirl Franziska van Almsick. Lange war voller Neid auf den Trubel um die Top-Schwimmerin aus Berlin. Er sah seine Athletin zu wenig beachtet, er wollte ihr helfen, aber er machte alles noch schlimmer. Lange galt bald als Nervensäge und Völker als Sportlerin, die mit van Almsicks Erfolg nicht klar kommt. Dabei war es eher so, dass sie sich zu wenig dagegen wehrte, von Lange in die Rolle der stutenbissigen Rivalin gedrängt zu werden. Nur mit Mühe gelang ihr der Rollenwechsel zur souveränen Athletin.

Doch jetzt gefährdet sie wieder diesen Ruf. Es mag gute sportliche Gründe für die abrupte Trennung von ihrem Trainer Jirka Letzin geben. Aber seit einiger Zeit vermittelt sie den Eindruck, als sei sie von Panik getrieben. Lange hatte sie auch spontan verlassen. Das konnte man noch mit dem Ende der privaten Beziehung erklären. Bei Letzin bleibt Unverständnis. Dass sie mit dessen Methoden nicht klar kommt, hätte sie leicht vor ihrem Wechsel erkennen können. Ins Bild passt auch, dass sie ihren Gatten als Manager präsentiert, obwohl sie noch einen Vertrag mit dem Vermarkter IMG besitzt. Einer souveränen Athletin passiert so etwas nicht. Wenn also Sandra Völker in Athen nicht grandios auftrumpft, könnte bei vielen Fans in Erinnerung bleiben, dass sie an ihrer Orientierungslosigkeit gescheitert ist. Das hätte eine Frau, die 62 internationale Medaillen gewonnen hat, nicht verdient.

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