Sport : Ruhe bitte!

Benedikt Voigt

Der italienische Fußball ist krank, darüber sind sich alle einig. Um diese Diagnose zu stellen, hätte nicht erst ein Polizist sterben müssen, eigentlich hat der letztjährige Fußballskandal genügt. Oder der aktuelle Zuschauerschnitt der Serie A von 19 000. Kaum Fans verlieren sich in den Stadien, die nicht der Mafia angehören oder rechtsgerichtete Ultras sind. Der Tod des Polizisten in Catania ist ein weiterer, erschütternder Anlass, nachzudenken, ob Italien diesen kranken Fußball will.

Ja, sagen die Klubpräsidenten, weil sie um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten. Doch die Herren und ihre Klubs sind Teil des beklagenswerten Zustandes ihres Sports, dazu muss man sich nur die mafiösen Vereins- und Verbandsstrukuren ins Gedächtnis rufen, die der Fußballskandal ans Licht gebracht hat. Dazu passt nun, dass in Catania der Platzwart die gewaltbereiten Fans unterstützte und seine Stadionwohnung in eine Waffensammlung umfunktioniert hatte. Wie die Vereine denken, zeigt auch der gestrige Streikaufruf eines Klubpräsidenten, weil die Regierung es wagt, ein Gesetz umzusetzen, das seit zwei Jahren in Kraft ist.

Der italienische Fußball kann sich selbst nicht mehr heilen. Die Hilfe muss von außen kommen. Weshalb es gut ist, dass die Regierung hart geblieben ist mit ihrem Beschluss, nur noch Spiele in Stadien zu erlauben, die den längst verabschiedeten Sicherheitsvorschriften entsprechen. Was aber sicherlich zur Heilung des italienischen Fußballs nicht ausreichen dürfte. Wichtiger wäre vielmehr eine Kur, die auch Schwerkranken empfohlen wird: eine lange Ruhezeit.

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