Sport : Ruhe im Feld

Ausreißer Knaven gewinnt Etappe Armstrong und Ullrich warten ab

Hartmut Scherzer

Bordeaux . Als in Bordeaux das Ziel ins Blickfeld kam , legten sich die Sprinter mächtig ins Zeug. Robbie McEwen, Erik Zabel und Baden Cooke drückten in dieser Reihenfolge ihre Räder über den Zielstrich auf dem Cours de Verdun. Nur: Es ging nicht um den Sieg auf der 17. Etappe der Tour de France von Dax nach Bordeaux, sondern nur um die Plätze elf, zwölf und dreizehn. Die brachten immerhin wichtige Punkte im Dreikampf um das Grüne Trikot. Die traditionelle Sprintetappe über 181 flache Kilometer war zum Tag der Ausreißer und Außenseiter geworden, an dessen Ende der Niederländer Servais Knaven auf seiner siebten Tour endlich den ersten Etappensieg feierte.

Mehr als acht Minuten später trudelten der Träger des Gelben Trikots, Lance Armstrong, und Jan Ullrich mit dem Hauptfeld ins Ziel. Die beiden Tour-Favoriten hatten sich während der gesamten Etappe nicht aus den Augen gelassen. Und sie konnten sich für den Showdown am Samstag, dem alles entscheidenden Zeitfahren, schonen.

Zehn Fahrer waren mit dem Startschuss in Dax dem Feld davongeeilt; sie fuhren einen Vorsprung von bis zu 16 Minuten heraus. Knaven aus der belgischen Mannschaft Quick Step hatte sich dann 18 Kilometer vor dem Ziel von seinen Weggefährten abgesetzt und feierte seinen Sieg – glücklich und den Tränen nahe. „Immer nur Zweiter und Dritter war ich in sieben Jahren Tour de France. Endlich habe ich es geschafft“, jubelte der Sieger des Kopfsteinklassikers von Paris – Roubaix im Jahre 2001.

Beim Tempomachen auf den letzten 40 Kilometern zeigte sich immer wieder Udo Bölts mit verbissenem Gesicht und kraftvollem Tritt an der Spitze des Pelotons. Wollte sich der bald 37-jährige Profi auf seiner Abschiedstour noch einmal ins Fernsehbild bringen? Erik Zabel hatte sich der Fluchtgruppe anschließen wollen, um Cooke und McEwen ein bisschen unter Druck zu setzen. „Aber es ist mir nicht gelungen.“ Dennoch wurde der Telekom-Kapitän in Bordeaux zum Sprint gezwungen. „Es ist wahnsinnig schwer im Kopf, um Platz elf zu spurten. Aber dafür werde ich schließlich bezahlt“, sagte Zabel, der sich bei dieser Tour immer wieder vom Grünen Trikot lossagt und dennoch nicht davon loskommt. Der sechsmalige Gewinner dieser Tour-Trophäe hatte morgens in Dax noch verkündet: „Ich wollte nie ein Sportler sein, der die Realität nicht erkennt.“ Deswegen sei es für ihn wichtig, dass er sich emotional vom Grünen Trikot lösen konnte. „Seitdem fühle ich mich besser.“ Dennoch kämpfte der Berliner in Bordeaux, wo er schon zweimal der Schnellste war, um den elften Platz. „Das Grüne Trikot scheint mein Schicksal zu sein“, sagte Erik Zabel mit einem Schulterzucken. Einen Punkt hatte er am Ende aufgeholt. Zufrieden wirkte er trotzdem nicht.

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