Sport : Ruhe in der Nachbarschaft

Manchester United bringt den Rivalen City zum Schweigen und gewinnt den englischen Supercup

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Manchester Uniteds spielerischer Glanz hat in den vergangenen Jahren ein wenig gelitten, doch was die Siegermentalität angeht, ist die Elf von Trainer Sir Alex Ferguson eine Klasse für sich: Beim traditionellen Saisonauftakt zwischen dem Meister und dem Pokalsieger auf der Insel schlug Manchester United die ewigen Rivalen von Manchester City nach einem 0:2-Pausenrückstand in einer aufregenden Partie mit 3:2.

Die Einnahmen aus dem Spiel um den „Community Shield“ kommen wohltätigen Zwecken zu. Auf dem Rasen bleibt naturgemäß wenig Platz für Sozialromantik – erst recht, wenn die beiden Klubs aus Manchester zum Derby antreten. Die City, das von Ferguson vor zwei Jahren noch als „lauter Nachbar“ belächelt wurde, kratzt mit Hilfe der Millionen aus Abu Dhabi mittlerweile ganz gehörig am Sockel der Roten. Einige Experten sehen die Hellblauen schon als zukünftigen Meister; dementsprechend groß waren die Erwartungen an den offiziellen Saisonauftakt zwischen Meister und Pokalsieger.

Der kürzlich für 45 Millionen Euro verpflichtete Sergio Agüero blieb zwar bei City auf der Bank, doch das Match hielt was es versprach: Es ging mit typisch britischer Härte und hohem Tempo zur Sache. United, das zunächst abermals auf Dimitar Berbatow verzichtete – der Bulgare wurde in der 89. Minute eingewechselt – hatte anfangs mehr von dem Spiel, in das sich City erst nach und nach hineinfoulen konnte. Micah Richards beinahe lebensgefährliche Blutgrätsche gegen Uniteds neuen Mittelfeldspieler Ashley Young, vom Schiedsrichter mit Gelb sehr gnädig bedacht, wirkte wie ein Weckruf für die Kollegen. City, das mit einem Dreiersturm aus Skandalkicker Mario Balotelli, David Silva und Edin Dzeko antrat, war plötzlich da. Innenverteidiger Joleon Lescott setzte sich im Strafraum gegen Rio Ferdinand durch und verlängerte Silvas Freistoß-Flanke per Kopf zum 1:0 ins Netz.

Kurz vor dem Halbzeitpfiff durfte der agile Dzeko unbehelligt auf das Tor von David De Gea zulaufen und aus 25 Metern hoffnungsfroh abziehen. Der Ball prallte einmal vor Uniteds Torwart-Neuzugang auf und landete dann zum 2:0 im Tor. „Schwierig zu sagen, ob das ein Fehler von David war“, sagte Ferguson, „der Ball hatte viel Schnitt.“

Er wechselte Ferdinand, Nemanja Vidic und Michael Carrick aus und die Reservisten Tom Cleverley, Jonny Evans und Phil Jones; ganz so, als ob er dem Vergleich durch diese personelle Schwächung die Relevanz nehmen wollte. Der „Community Shield“ stellt zwar deutlich mehr als einen Test dar, aber eben auch nicht den Ernstfall. Wenn man so will, ist seine Bedeutung ergebnisabhängig: Während der Verlierer das Match schnell als Muster ohne Wert abhakt, wird der Sieger nicht müde, die selbstbewusstseinsverstärkende Wirkung zu betonen.

Ciy-Coach Robert Mancini hatte im Vorfeld behauptet, es interessiere ihn nicht, „irgendwelche Botschaften an United zu verschicken.“ Er wolle nur sehen, wie weit sein Team schon sei. Die Antwort kam mit Wiederanpfiff. Das vermeintlich geschwächte United wandelte seinen Frust in meisterhaftes Angriffsspiel um. Binnen einer Viertelstunde hatten Chris Smalling und Nani ausgeglichen.

Als sich alle schon auf ein Elfmeterschießen einrichteten, lief Nani nach einem kapitalen Fehler von Vincent Kompany auf das City-Tor zu. Der Portugiese dribbelte Joe Hart aus und schob zum 3:2 ein. Ein kleines Ausrufungszeichen oder ein psychologischer Tiefschlag? Die letzten vier Community-Shield-Sieger wurden immerhin Meister. Ferguson aber blieb defensiv: „Ich hoffe, dass es ein gutes Omen für die Saison war.“

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