Sport : Ruhig und robust

Der 20-jährige Sofian Chahed überzeugt bei Herthas Sieg

André Görke

Berlin. Nach Stunden des Schweigens öffnete sich am Mittag doch noch die Kabinentür, und Andreas Neuendorf trat vor die Fernsehkamera. Der Fußballprofi von Hertha BSC sagte: „So das hier ist der Sofian, und der Sofian möchte euch was sagen.“ Das war ein großer Spaß für Andreas Neuendorf, weil sein Kollege Sofian Chahed bis dahin gar nicht wusste, dass er etwas sagen wollte. Und schon gar nicht in eine Fernsehkamera.

Nun ist es so, dass bis zum Abend zuvor, bis zu Herthas 1:0 gegen den VfB Stuttgart, auch nicht viele etwas von Chahed wissen wollten. Der deutsche Juniorennationalspieler, dessen Vater aus Tunesien stammt, ist 20 Jahre alt, zurückhaltend, und er ist „ein Talent“. So haben die Verantwortlichen bei Hertha viele Monate über Sofian Chahed gesprochen und doch stets ergänzt, „dass er bei der Konkurrenz kaum eine Chance hat“.

Chaheds Antritt ist dynamisch, er gewinnt schnell an Tempo, aber für die Position des rechten Außenverteidigers stehen bei Hertha Arne Friedrich, Marko Rehmer, Alexander Madlung und Denis Lapaczinski im Kader. Dass Chahed gegen Stuttgart sein erstes Bundesligaspiel bestreiten durfte, hatte er dem Zufall zu verdanken, dass Rehmer und Lapaczinski ausfielen und Friedrich in der Innenverteidigung spielte. Mit Chahed rechnete dennoch niemand, nicht einmal der Spieler selbst. Doch dann sagte ihm Trainer Hans Meyer, dass er ihn spielen lassen wolle. „Da war ich furchtbar nervös“, sagte Chahed. „Doch nach dem Spiel war ich zwar müde, aber richtig stolz.“

Chahed sollte sich auf der rechten Seite um Alexander Hleb kümmern. „Der Sofi war die absolute Klette“, sagte sein Kollege Malik Fathi. Hleb, ein technisch starker Spieler, bekam mit Chahed einen ähnlichen Typen als Gegenspieler zugewiesen. Und Chahed, auch wenn er sich nicht ins Aufbauspiel einschaltete, machte seinen Job gut. „Was der für Wege gegangen ist, war unglaublich“, sagte Manager Dieter Hoeneß. „Dabei war es weniger überraschend, wie viel er gerannt ist, sondern wie sehr er an Robustheit zugelegt hat“.

Im Sommer hat Chahed bei Hertha einen Profivertrag bis 2005 unterschrieben. Gegen Stuttgart nun hat er seine Chance genutzt. Trotzdem droht ihm in Freiburg wieder die Ersatzbank. Doch auch die wäre ein Fortschritt: Bisher saß Chahed meistens auf der Tribüne.

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