Sport : Runter mit den Preisen

Wie um die Bundesligarechte im Fußball gehandelt wird

Joachim Huber

Berlin. Stell dir vor, die Bundesliga spielt – und kein Fernsehsender überträgt. Das ist für die Vereine und die Fans ein wahres Horrorszenario, für die Fernsehsender ist es eine Verhandlungs-Option. Sie wollen, ob privat oder öffentlich-rechtlich, runter mit den Preisen für die Übertragungsrechte. Was beim Länderspielvertrag zwischen ARD/ZDF und dem Deutschen Fußball-Bund bereits klappt – leicht gesunkene Preise für erweiterten Rechte-Umfang –, soll auch bei der Fußball-Bundesliga funktionieren. Es geht um die Saison 2003/2004, und es geht um den „ran“-Sender Sat 1. Der sieht sich nicht unter Zeitdruck: „Es ist falsch, dass wir uns bis zum 31. Dezember gegenüber dem Rechte-Inhaber, der Schweizer Infront Sports-Media AG, erklären müssen, ob wir unsere Option für die nächste Saison ziehen“, sagte Sat-1-Sprecherin Kristina Faßler dem Tagesspiegel. Der Sender werde sich im ersten Quartal 2003 entscheiden: „Wir haben erst dann eine einigermaßen sichere Kalkulation darüber, mit welchen Werbeeinnahmen wir im zweiten Halbjahr 2003 und darüber hinaus rechnen können.“ Das gesamtwirtschaftliche Umfeld müsse gesehen werden. Sat 1 zahlt für die laufende Saison 80 Millionen Euro an die Rechte-Agentur um Günter Netzer, die gleiche Summe wird für 2003/04 gefordert. Die Summe ist so hoch, dass Sat 1 sie über Werbeeinahmen nicht finanzieren kann. Mit einem Abschlag von 25 bis 30 Prozent auf 55 bis 60 Millionen Euro wäre das Minus-Geschäft Bundesliga für den Sender in ein Nullsummenspiel verwandelt.

Daran kann weder Infront noch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) interessiert sein. Infront zahlt an die DFL für zwei Spielzeiten 580 Millionen Euro, erlöst aber bereits in der laufenden Saison statt der notwendigen 290 Millionen Euro offenbar nur 260 Millionen. Dieses Defizit könnte noch klettern, wenn Sat 1 und die anderen Rechtenehmer wie ARD und ZDF den Kaufpreis für 2003/2004 so drücken können, wie sie wollen.

Infront, die Nachfolgegesellschaft der früheren Kirch Sports AG, hat sich für diesen Fall abgesichert. Im Vertrag mit der einst von Kirch gegründeten Auffanggesellschaft, der Buli GmbH (sie vermarktet speziell die Bundesliga-Rechte) sind Ausstiegsklauseln eingebaut. Die Rechte würden dann von der Infront wieder zur Buli wandern. Hinter der Buli stehen wiederum Kirchs Gläubiger-Banken. Eine kuriose Situation: Bank-Manager müssten für die Fernsehrechte Fernsehsender suchen.

Die Liga gibt sich gelassen: DFL-Sprecher Tom Bender betont, die 580 Millionen Euro für zwei Spielzeiten seien durch Bankbürgschaften abgesichert. Auch bei Infront wird offensichtlich weniger an einen Ausstieg gedacht als an einen spendablen Ersatzsender für Sat 1. Günter Netzer wäre nicht der erfolgreiche Rechte-Manager, wenn er nur mit einer Option jonglieren würde. Seine Agentur besitzt neben den Bundesliga-Rechten auch die Rechte an der Fußball-WM 2006 in Deutschland. Auf diese Sendelizenzen sind alle Sender scharf. Warum nicht beide Rechte in einen Einkaufskorb legen? Hagen Boßdorf, der ARD-Sportkoordinator, sagt: „Dazu hat die ARD noch keine Position.“

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