Sport : Runter von der Spitze

Hertha spielt 1:1 in Mainz, bleibt in der Bundesliga ungeschlagen, verliert aber die Tabellenführung

Christian Tretbar[Mainz]

Es war diese letzte Viertelstunde, die den Unterschied ausgemacht hat. Den Unterschied zu einer wirklichen Spitzenmannschaft. Kevin-Prince Boateng hatte nach einer Ecke von Ebert zum verdienten 1:1 gegen Mainz 05 ausgeglichen, und es war zu spüren, dass für die Hertha mehr drin war. Doch statt mit vollem Feuer das Spiel zu drehen, erlosch das kleine Flämmchen alsbald nach dem Ausgleich. „Von außen hatte man das Gefühl, dass unsere Mannschaft das Spiel noch drehen kann, aber auf dem Platz konnte sie es nicht umsetzen“, fand auch Herthas Manager Dieter Hoeneß. Für ihn waren diese letzten 15 Minuten ein klares Indiz dafür, dass der jungen Mannschaft noch etwas fehlt: „Die Winnermentalität und die Cleverness.“ Echte Spitzenmannschaften gewinnen genau damit ein solch intensives und knappes Spiel. So aber blieb für Hertha am Ende ein 1:1 (0:0) in Mainz, mit dem beide Mannschaften leben konnten.

Trotzdem hatte sich Falko Götz die Sache etwas anders vorgestellt. „Wir wollten viele Zweikämpfe gewinnen und dann schnell nach vorne spielen, aber das ist uns nicht richtig gelungen“, sagte der Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten. Viel zu viele Bälle haben seine Spieler verloren, und entsprechend viel mussten sie laufen. Gründe dafür, dass es nicht so lief, wie sich das einige erhofft hatten, lassen sich leicht finden. Einer war der Gegner. Die Mainzer stellten sich gut auf das Spiel der Hertha ein, sie erarbeiteten sich gute Chancen wie den Lattenschuss von Du Ri-Cha in der ersten Halbzeit und sie gingen nach einer Ecke durch Bakary Diakite 1:0 in Führung.

Ein zweiter Grund waren auch die verletzungsbedingten Ausfälle von Bastürk und Gilberto. Falko Götz installierte im Mittelfeld eine doppelte Sicherung mit Pal Dardai und Sofian Chahed. Sie sollten die Angriffe der Mainzer stoppen und machten ihre Sache auch recht gut. Boateng sollte die Rolle des Spielgestalters übernehmen. Dabei überraschte Götz mit seiner Variante, Boateng auf die Flügel zu schicken und nicht im zentralen Mittelfeld agieren zu lassen. Ein gutes Mittel, wie sich herausstellen sollte. Vor allem in der 13. Minute, als Boateng einen gefährlichen Angriff einleitete: Zweimal flankte er haargenau auf Christian Gimenez, der aber an dem Mainzer Torhüter Dimo Wache scheiterte.

Wenn es Boateng durch die Mitte probierte, konnte er keine Akzente setzen. Dabei war er noch zu verspielt und wollte das Besondere zeigen. „Er war aber immer dann gefährlich, wenn er einfach gespielt hat“, sagte Dieter Hoeneß. Allerdings sei das Einfache im Fußball nicht immer das Leichteste. „Man braucht viel Qualität und Technik, um einfach spielen zu können, das Potenzial dazu hat er auf jeden Fall“, sagte der Manager. Auch Falko Götz war mit seinem jungen Mittelfeldspieler durchaus zufrieden: „Wir wissen, dass wir da ein Juwel haben.“ Allerdings muss Herthas Trainer möglicherweise kurzfristig auch auf dieses Juwel verzichten. Denn Boateng zog sich kurz vor Schluss nach einem Zweikampf mit Markus Feulner eine Hüftprellung zu. „Wir hoffen aber, dass er am Donnerstag im Uefa-Pokal wieder fit ist“, sagte Götz.

Vor allem Dieter Hoeneß brachte diese Szene in Rage. Denn Boateng habe fast drei Minuten am Boden gelegen, ehe ein Mainzer Spieler den Ball ins Aus schlug. „Der Mainzer Trainer hätte seinen Spielern ein Zeichen geben müssen, stattdessen hat er sie noch aufgepeitscht. Das hat mit Sport und Fair Play nichts zu tun“, beschwerte sich Hoeneß. Doch Jürgen Klopp betonte, dass er das Foul und den verletzten Spieler nicht gesehen habe, „sonst hätte ich natürlich ein Zeichen gegeben“. Im Endeffekt bleibt es eine Petitesse in einem Bundesligaspiel, an dessen Ende sich keiner über das Unentschieden beklagte. Dass es für die Hertha nicht richtig rund lief, könnte auch einen dritten Grund gehabt haben: die Tabellenführung, mit der sie in diesen fünften Spieltag gegangen sind. Das habe laut Trainer und Manager aber keine Rolle gespielt. Ganz im Gegenteil. „Wir haben das als Momentaufnahme genossen“, sagte Götz. Die letzte Viertelstunde in Mainz hat gezeigt, dass es noch nicht zu mehr als einer Momentaufnahme reicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar