Sport : Russin mit britischem Akzent

Nadja Petrowa steigt mit dem Berliner Turniersieg zur besten Tennisspielerin ihres Landes auf

Benedikt Voigt

Berlin – Es gefällt der Tennisspielerin Nadja Petrowa, bei Unterhaltungen am Flughafen nicht sofort als Russin identifiziert werden zu können. Die 23-Jährige spricht perfekt Englisch, ihr Akzent lässt sich nicht sofort einem Land zuordnen. Er klingt sogar etwas britisch, da sie in ihrer Jugend einige Zeit in Ägypten verbracht hat, wo ihre Eltern lange als Leichtathletiktrainer gearbeitet haben. „Ich finde es gut, wenn ich nicht sofort als Russin erkannt werde“, sagt sie. So müssen die Gesprächspartner ein wenig über ihre Herkunft rätseln.

In Zukunft dürfte es jedoch öfter passieren, dass sie sofort als Russin erkannt wird. Nach ihrem Turniersieg bei den Katar German Open ist sie nun die beste Tennisspielerin ihres Heimatlandes. „Das ist großartig“, sagt Nadja Petrowa, „das ist ein Ziel von jeder Einzelnen von uns.“ Der hart umkämpfte Finalerfolg über Justine Henin-Hardenne (4:6, 6:4, 7:5) bringt ihr so viele Punkte in der Weltrangliste, dass sie sich von Rang vier auf Rang drei verbessern konnte. Sie überholte ihre Landsfrau Maria Scharapowa, die in Rom wegen einer Fußverletzung absagen musste und sich in diesem Jahr vor allem auf Wimbledon konzentriert.

Nadja Petrowa hingegen ist aktuell auf Sand die beste Spielerin im Frauentennis. Seit 15 Matches ist sie ungeschlagen, die Siegesserie verhalf ihr zu den Titeln in Amelia Island, Charleston und Berlin. „Ich spiele nun schon seit einigen Monaten sehr konstant, das gibt mir sehr viel Selbstvertrauen“, sagt Petrowa. Mit den Erfolgen kommen die Erfolge.

Unter den ersten zehn der Weltrangliste befinden sich zurzeit vier Russinnen. Petrowa ist eine typische Vertreterin dieser Generation. Die meisten Spielerinnen stammen aus der russischen Mittelschicht – und sind in der ganzen Welt zu Hause. Ihr Vater Viktor war ein erfolgreicher Hammerwerfer, Mutter Nadejda gewann bei den Olympischen Spielen 1976 über 4 x 400 Meter die Bronzemedaille. Beide arbeiten als Leichtathletiktrainer. Zwar stammt Nadja Petrowa aus Moskau, doch längst trainiert sie nicht mehr dort. „Die Wege sind zu weit und der Verkehr ist zu dicht.“ Wie die meisten ihrer Kolleginnen bevorzugt sie das Training in Europa. „Da ist das Wetter auch besser“, erklärt sie fröhlich.

Inzwischen zählt Tennis zu den wichtigsten Sportarten in Russland – vor allem bei den Mädchen. „Tennisspielen ist jetzt Mode geworden“, sagt Petrowa. Die vielen Erfolge erklärt sie mit der russischen Mentalität. „Wir arbeiten sehr viel und wir mögen das Verlieren nicht.“

Auch Petrowa arbeitet weiter. Vor dem Berliner Turnier hat sie einen neuen Fitnesstrainer engagiert. Die breitschultrige Russin gilt als Vertreterin des kraftvollen Frauentennis, weshalb sie das Urteil des neuen Trainers überrascht hat. „Er hat sich über meinen Fitnesszustand gewundert, er sagt, es gebe noch Reserven.“ Das Training hat sich offenbar ausgezahlt, obwohl sie im Finale Oberschenkel- und Rückenprobleme plagten. Nun ist sie auf die French Open vorbereitet, die ihr nächstes Ziel sind. „Mein größter Traum ist der Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier“, sagt Petrowa. Spätestens dann dürfte sie auf den Flughäfen dieser Welt sofort erkannt werden.

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