Russische Behörden störten LGBT-Spiele : Sport im Untergrund

An Sport ist nicht zu denken: Weil die Teilnehmer der Open Games in Russland schwul, lesbisch, bisexuell oder transgender sind, wurde die Veranstaltung mutmaßlich von den Behörden gestört. Trotz Drohungen hielten die Sportler durch.

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Im Zeichen des Regenbogens. Die Open Games waren fröhlich geplant.
Im Zeichen des Regenbogens. Die Open Games waren fröhlich geplant.Foto: imago/Eibner

Bombendrohung, Polizeikontrollen und konspirative Treffen: Eigentlich wollten die rund 300 Sportler sich bei den Open Games, die derzeit in Moskau stattfinden, im Basketball, Fußball oder Skilaufen messen. Doch das Ereignis gerät zur Machtprobe. Die Teilnehmer sind lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender. Wegen des Gesetzes, das „homosexuelle Propaganda“ in Russland verbietet, ist an Sport während der Spiele kaum zu denken.

Auch ein deutsches Team ist bei den Open Games am Start. Die Organisation „Discover Football“, die sonst Frauenfußballturniere ausrichtet, hat eine zwölfköpfige Mannschaft nach Moskau geschickt. Das Team besteht aus Hobbyfußballerinnen, manche spielen im Verein, einige Spielerinnen sind auch heterosexuell, wie Teammitglied Sonja Klümper betont. „Als wir hier ankamen, hatten wir plötzlich kein Hostel mehr, weil den Veranstaltern mit fadenscheinigen Gründen die Verträge gekündigt wurden“, erzählt Klümper. So belegten auf einmal angeblich 40 Kinder die Zimmer im Hotel, die natürlich nicht auf die Straße gesetzt werden konnten. Danach brachen den Organisatoren auch die Sportstätten weg. Mal ein Stromausfall, mal „technische Probleme“. Klümper ist sicher: „Die Spiele wurden durch die Regierung gestoppt.“

Den Veranstaltern war wohl klar, dass ein sogenanntes LGBT (lesbian, gay, bisexual, transgender) Turnier in Russland weniger als Sportevent als vielmehr als politische Demonstration wahrgenommen würde. Open-Games-Organisator Konstantin Jablotzkij will beides verbinden: „Das Ziel dieser Spieler ist es, der Gesellschaft und den Behörden zu zeigen, dass wir normale Menschen sind.“ Zu den Besuchern der Spiele sollen auch die niederländische Sportministerin Edith Schippers und der frühere Turmspringer und mehrfache Olympiasieger Greg Louganis aus den USA gehören.

Doch das Experiment scheint außer Kontrolle zu geraten. Wie das schwul-lesbische Magazin Queer.de berichtet, habe es schon bei der Eröffnungsfeier am 26. Februar eine Bombendrohung gegeben. Später bei einem Frauen-Basketball-Spiel flog eine Rauchbombe aus dem Publikum in die Sporthalle. „Die Polizei nutzte die Situation, um die Personalien der Sportler aufzunehmen“, berichtet Klümper. Das Basketballturnier wurde abgebrochen.

Seitdem finden die Spiele im Untergrund statt. Die Sportler bekommen nur noch U-Bahnhof und Uhrzeit mitgeteilt. Von dort werden sie von den Organisatoren abgeholt und in kleinen Gruppen zu den geheim gehaltenen Wettkampfstätten geführt. „Wir sind beeindruckt von dem Durchhaltevermögen und dem Mut der Organisatoren und Organisatorinnen und freuen uns, Teil der Open Games zu sein“, sagt Sara Schlote von Discover Football.

Auf der Homepage der Open Games bedanken sich Organisatoren bei „allen Teilnehmern, die so stark und mutig waren, bei der Eröffnungsfeier dabei zu sein und nicht aufzugeben“. Jeder, der dabei war, solle „der Welt die Wahrheit darüber mitteilen, wie es war, Russlands erste Open Games zu eröffnen“.

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