Sport : Russland hängt Amerika ab

Kaum starker Nachwuchs im Frauentennis der USA

Matthias B. Krause

New York - So viele Abschiede gab es selten bei den US Open, und ausgerechnet Martina Navratilova blieb es vorbehalten, als Letzte zu gehen. Die 49-Jährige stand am Samstag im Mixed-Finale und ein weiteres tränenreiches Farewell, wie es die Zuschauer schon Andre Agassi vor einer Woche bereitet hatten, war ihr sicher. Dagegen wirkte der Abgang von Lindsay Davenport fast scheu, auf jeden Fall bescheiden. Als sie im Viertelfinale der späteren belgischen Finalistin Justine Henin-Hardenne unterlag, gab es keine großen Reden, nur einen kurzen Gruß ans Publikum, ein paar Autogramme und einen zügigen Marsch in die Umkleidekabine. Zurück ließ sie ein großes Loch.

Sollte sich die 30 Jahre alte Davenport nach 13 Jahren Profitennis entscheiden, nicht mehr zurückzukommen, klafft eine große Lücke im amerikanischen Frauentennis, und im Augenblick ist nicht absehbar, wer sie füllen soll. Davenport hatte das Jahr als Nummer eins der Weltrangliste begonnen, spielte aber von März bis Anfang August wegen einer Rückenverletzung keine Turniere. Bereits vor den US Open rutschte sie auf Platz elf der Weltrangliste ab und mit ihrem Ausscheiden erreichte erstmals seit 1994 keine Amerikanerin das Halbfinale des Grand-Slam-Turniers in Flushing Meadows, New York. Damals vor zwölf Jahren war das Feld aber auch ausgesprochen stark besetzt, mit Steffi Graf an der Spitze, Gabriela Sabatini, Jana Novotna und Arantxa Sanchez-Vicario.

Während die russischen Frauen mit vier Spielerinnen zumindest zahlenmäßig die Top Ten dominieren und Maria Scharapowa kurz vor dem Gipfelsturm steht, kommt nach Davenport aus amerikanischer Sicht zunächst einmal lange nichts. Venus Williams befindet sich auf Platz 31, ihre Schwester Serena auf 91. Ob die beiden sich je wieder entschließen, Tennis die erste Priorität in ihrem Leben einzuräumen, und ob dann auch noch ihre Körper mitspielen, steht in den Sternen. Entsprechend drängend waren die Fragen der Journalisten zu Davenports Zukunft nach ihrem leisen Abgang im Arthur-Ashe-Stadion. „Was waren Ihre Gedanken, als Sie vom Platz gingen?“, fragten sie, „keine Nostalgie?“

Davenport aber hielt sich bedeckt, so unspektakulär wie während ihrer gesamten Laufbahn, die ihr drei Grand-Slam-Titel einbrachte und 21,7 Millionen Dollar Preisgeld. „Ich werde im November oder Dezember entscheiden, ob es noch ein nächstes Jahr gibt“, sagte sie. Im Augenblick habe sie noch mehr gute als schlechte Tage.

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