Ryder Cup im Golf : Zwölf Freunde sollt ihr sein

Europa ist beim Ryder Cup gegen die US-Amerikaner wieder einmal Außenseiter – eine Rolle, in der sich das Team traditionell wohlfühlt.

von
Aus Erfahrung erfolgreich. Martin Kaymer bekommt von Kapitän Darren Clarke eine Wildcard für den Ryder Cup.
Aus Erfahrung erfolgreich. Martin Kaymer bekommt von Kapitän Darren Clarke eine Wildcard für den Ryder Cup.Foto: dpa

Im Hazeltine National Golf Club ist der Brexit weit weg. Im US-Bundesstaat Minnesota findet von Freitag an der 41. Ryder Cup statt, der traditionelle Mannschaftswettbewerb zwischen den besten Golfern der USA und Europas. Und dort ist Europa zumindest in diesen drei Tagen noch eine richtige Union mit gemeinsamen Zielen und Werten. Die Europäer tragen vorzugsweise Blau, am Platz werden Fans der Gastmannschaft die blaue Flagge mit den zwölf Sternen schwenken. Und das Team aus sieben Briten und fünf Kontinentaleuropäern will wie so oft in der Vergangenheit zeigen, dass es die vermeintliche sportliche Unterlegenheit durch mannschaftliche Geschlossenheit wettmachen kann.

Geschlossenheit, Europa und die Briten – das passt ansonsten derzeit nicht wirklich in einen Satz. Aber beim Ryder Cup ist die Welt noch in Ordnung. „Wir sind immer noch ein Kontinent. Der Brexit spielt für uns keine Rolle, denn Großbritannien wird immer ein Teil Europas sein“, sagt Darren Clarke, der nordirische Kapitän des Europa-Teams.

In der weiträumigen Kabine seiner Mannschaft im Hazeltine Club hat Clarke in großen weißen Lettern auf blauem Grund zwei Zitate anbringen lassen. „Niemals aufgeben! Niemals aufgeben! Nie! Nie! Nie!“und: „Eine Einheit, eine Mannschaft!“. Der erste – deutlich berühmtere Ausspruch – stammt von Winston Churchill, der zweite von Clarke selbst.

Der 48-Jährige weiß, worauf es beim Ryder Cup ankommt. In nur wenigen Tagen Vorbereitungszeit muss er aus Ein-Mann- Unternehmen eine funktionierende Gruppe formen. Seinen Vorgängern im Amt des Kapitäns ist das zuletzt regelmäßig gut gelungen. Die Europäer gewannen acht der vergangenen zehn Ryder Cups. Favorisiert waren sie dabei selten.

Sechs Debütanten spielen für das Team Europa

Auch diesmal ist das nicht so. Da ist zum einen der nicht zu unterschätzende Heimvorteil für die USA. Dazu kommt, dass Europa in diesem Jahr gleich mit sechs Neulingen antritt, auch Erfahrung ist im Ryder Cup ein wichtiger Faktor. Deshalb besetzte Clarke zwei seiner drei Wildcards für das Team mit Lee Westwood und dem Deutschen Martin Kaymer.

Kaymer ist zum vierten Mal in Folge beim Ryder Cup dabei, bisher hat er immer gewonnen. 2012 holte beim letzten Auswärtsspiel in den USA den entscheidenden Punkt. Diesmal gilt er mit seinen 31 Jahren bereits als alter Haudegen, der die Jungen führen soll. „Sollten sie Rat brauchen, werde ich ihnen zur Seite stehen. Aber man sollte sich da auch nicht zu wichtig nehmen“, sagte Kaymer gewohnt bescheiden. Neben ihm und Westwood wird es bei den Europäern vor allem auf Olympiasieger Justin Rose, British-Open- Champion Henrik Stenson, den unverwüstlichen Sergio Garcia und natürlich Rory McIlroy ankommen.

Der Weltranglistendritte hat die Amerikaner in der vergangenen Woche schon mächtig geärgert und nicht nur das Finale der US-Tour für sich entschieden, sondern auch noch der Gesamtwertung der Saison und damit zehn Millionen US-Dollar gewonnen. „Ich will derjenige sein, zu dem das Team aufschaut und von dem es Inspiration bezieht. Hoffentlich kann ich früh dafür sorgen, dass Blau auf dem Leaderboard dominiert“, sagte McIlroy.

Sollte es mit einem Sieg für die Europäer nicht klappen, wäre das für den Wettbewerb aber womöglich nicht einmal schlecht. Und Europa hätte als Gastgeber in zwei Jahren wieder eine neue Aufgabe. Die Briten im Team brauchen dann aber wahrscheinlich schon ein Visum, um überhaupt zum Austragungsort nach Paris reisen zu können.

Die Teams

EUROPA
Kapitän: Darren Clarke (48 Jahre/Nordirland). Spieler: Rory McIlroy (Nordirland/27 Jahre/Weltranglistenposition 3/Ryder-Cup-Teilnahmen: 3); Henrik Stenson (Schweden/40/5/3); Danny Willett (England/28/10/-); Justin Rose (England/36/11/3); Sergio Garcia (Spanien/36/12/7); Rafa Cabrero-Bello (Spanien/32/30/-); Chris Wood (England/28/32/-); Thomas Pieters (Belgien/24/42/-); Matthew Fitzpatrick (England/22/44/-); Lee Westwood (England/43/46/9); Andy Sullivan (England/30/50/-); Martin Kaymer (Mettmann/31/48/3).

Das europäische Team für Hazeltine.
Das europäische Team für Hazeltine.Foto: AFP


USA
Kapitän Davis Love III (52). Spieler: Dustin Johnson (32 Jahre/Weltranglistenposition 2/Ryder-Cup-Teilnahmen: 2); Jordan Spieth (23/4/1); Patrick Reed (26/8/1); Rickie Fowler (27/9/2); Phil Mickelson (46/15/10); Jimmy Walker (37/16/1); Matt Kuchar (38/17/3); J.B. Holmes (34/21/1); Brooks Koepka (26/22/-); Brandt Snedecker (35/23/1); Zach Johnson (40/28/4), Ryan Moore (33/31/-)

Das US-Team für Hazeltine.
Das US-Team für Hazeltine.Foto: AFP

Aufstellung für die Foursomes am Freitagnachmittag (ab 14.35 Uhr, live bei Sky)

14.35 Uhr: Spieth/Reed vs. Stenson/Rose
14.50 Uhr: Mickelson/Fowler vs. McIlroy/Sullivan
15.05 Uhr: Walker/Z. Johnson vs. Garcia/Kaymer+
15.20 Uhr: D. Johnson/Kuckar vs. Westwood/Pieters

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben