Sabine Lisicki bei den Wimbledon Championships : Der Rasen, den sie so liebt

Sabine Lisicki steht nach einem dramatischen Spiel gegen die Weltranglistenvierte Agnieszka Radwanska, das die Berlinerin nach drei Sätzen gewann, im Wimbledon-Finale. Am Samstag geht es nun um die Erfüllung ihres Traums.

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Sabine Lisicki liegt nach ihrem Sieg auf dem Rasen.
Kaum zu fassen – und nach oben ist ja noch Luft. Sabine Lisicki nach ihrem Erfolg gegen Agnieszka Radwanska.Foto: afp

Am Ausgang der Royal Box, auf der Rückseite des Centre Courts im All England Club, hatten sich ein paar hundert Fans an den Absperrzaun gedrängelt und riefen Sabine Lisckis Namen. Und die wanderte von rechts nach links die Reihe hinunter und wieder zurück und kritzelte wieder und wieder ihren Namen auf Fotos, Tennisbälle und T-Shirts. Sie konnte gar nicht genug kriegen von diesem Bad in der Menge, und sie konnte nicht aufhören, zu strahlen. Sie hatte es tatsächlich geschafft, die Berlinerin steht mit ihren 23 Jahren zum ersten Mal in einem Grand-Slam-Finale – und dann auch noch in Wimbledon, auf jenem Rasen, den sie so liebt. Und auf den ließ sie sich dann auch erleichtert plumpsen, als es nach zweieinviertel Stunden endlich vorüber war. Sie schlug die Hände vors Gesicht, zitterte am ganzen Körper. Und wie sie so dalag, lachte und weinte sie gleichzeitig – das Gefühlschaos übermannte sie. „Ich kann es nicht glauben“, sagte sie fassungslos und rang nach Worten, „aber es könnte keinen besseren Ort für mein erstes Finale geben.“

Seit Steffi Graf 1999 war das keiner Deutschen mehr gelungen, und Lisicki musste auch lange bangen, damit es klappte und sie die Weltranglistenvierte Agnieszka Radwanska in diesem hart umkämpften und hochklassigen Halbfinale noch mit 6:4, 2:6 und 9:7 bezwang. Die 15.000 Zuschauer hatten sich danach von ihren Sitzen erhoben und den beiden Akteurinnen für ihre furiose Darbietung stehende Ovationen und tosenden Applaus gezollt. Gegönnt hätten sie es beiden, doch nun ist es Lisicki, die am Samstag gegen Marion Bartoli im Endspiel steht. Die Französin hatte mit der angeschlagenen Kirsten Flipkens aus Belgien keine Mühe gehabt und mit 6:1 und 6:2 gesiegt.

„Ich liebe solche Matches. In großen Stadien vor vielen Leuten und starken Gegnerinnen – da spiele ich am besten“, hatte Lisicki vorher gesagt, und sie untermauerte es erneut auf dem Rasen ihres Lieblingscourts. Sie zeigte von Beginn an, wie sehr sie diesen Sieg wollte. Wie unbedingt sie in dieses Finale einziehen wollte. Mit ihren harten, entschlossenen Grundschlägen drängte sie die Polin weit aus dem Feld und versuchte auszunutzen, dass Radwanska drei Stunden mehr auf dem Platz gestanden hatte als sie. Beide Oberschenkel waren dick mit Tape umwickelt, und Lisicki schickte ihre Kontrahentin vor und zurück, ließ sie laufen. Und zunächst ging der Plan auch auf, Radwanska wirkte nicht ganz so spritzig, wie normalerweise und musste dann auch noch mit einem unglücklichen Netzabpraller das entscheidende Break im ersten Satz zum 3:4 hinnehmen.

Sabine Lisicki: Ihre Aufschläge erreichten wieder reihenweise bis zu 196 Stundenkilometer

Lisicki diktierte das Geschehen, prügelte bedingungslos auf die Bälle. Sie spielte mit vollem Risiko, auch bei ihren Aufschlägen. Reihenweise erreichte sie dabei wieder bis zu 196 Stundenkilometer, Radwanska geriet beim Return sofort in die Defensive. Lisicki unterliefen so jedoch auch sechs Doppelfehler. Alles schien im Sinne der Berlinerin zu laufen, als sie im zweiten Satz mit dem Break zum 1:0 in Führung ging. Doch Radwanska gelang es immer, die Schwäche der Gegnerin herauszufinden. So sollte die Polin die Partie im zweiten Durchgang noch drehen. Sie erhöhte merklich den Druck auf Lisickis Aufschläge, brachte diese nun selbst zum Laufen. Die Nummer 24 der Welt wurde auf einmal unsicher, die Fehler häuften sich und beim Aufschlag wackelte sie. Das Rebreak zum 1:1 sollte nur der Anfang von Radwanskas Aufholjagd sein: Sie machte sechs Spiele in Folge und ging nach dem Gewinn des zweiten Satzes im dritten mit 3:0 in Führung. Lisickis großer Traum vom Endspiel drohte zu platzen.

Die Erinnerungen an ihr Match gegen Serena Williams stiegen in ihr hoch, auch dort lag Lisicki im dritten Durchgang mit 0:3 hinten. „Ich dachte mir: Okay, gegen Serena hast du es geschafft – dann schaffst du es jetzt auch!“ Die Eigenmotivation half, Lisicki glich zum 3:3 aus, hielt das Break zum 5:4 jedoch nicht. Aber Lisicki verlor nie den Glauben an sich. Im fünfzehnten Spiel hatte sie dann mehr Biss als Radwanska, ging in Führung und ließ sie sich ihre Chance auf den ersehnten Wimbledonsieg nicht mehr nehmen. „Es wäre ein Traum, der wahr wird, wenn ich hier gewinne“, sagte Lisicki und ihre Augen leuchteten.

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