Sport : Sabine Lisicki verpasst eine große Chance

Benedikt Voigt

Berlin - Es ist eine schwere Hypothek, wenn eine Zeitung über ein Tennistalent schreibt: „Sabine wie einst Steffi.“ In dieser Schlagzeile steckt die Hoffnung, es möge wieder ein solches Mädchen bei den German Open in Berlin antreten wie Steffi Graf, die 1986 als 16-Jährige das Turnier gewann und danach die Tenniswelt eroberte. Mit Steffi Graf hat Sabine Lisicki immerhin so viel gemeinsam: Sie spielte gestern als 16-Jährige bei den German Open. Sabine Lisicki hat aber gestern im Steffi-Graf-Stadion beim LTTC Rot- Weiß in Runde eins gegen die Italienerin Mara Santangelo 6:3, 2:6, 1:6 verloren. Traurig verbarg die Berlinerin nach einer Stunde und 50 Minuten Spielzeit ihr Gesicht im Handtuch. Dabei hatte sie bei den German Open als Nummer 414 der Weltrangliste gegen die Nummer 35 im ersten Satz eine couragierte Vorstellung geliefert. „Sie braucht nicht enttäuscht zu sein“, sagte der Sportdirektor des Deutschen Tennis-Bundes, Klaus Eberhard, „sie kann viel aus diesem Match lernen.“

Verlegen hatte die Schülerin der Werner-Seelenbinder- Schule bei der Auslosung über ihre Gegnerin gesagt: „Die kenne ich nicht.“ Ihr Vater und Trainer Richard Lisicki holte sich bei der deutschen Fedcup-Teamchefin Barbara Rittner noch ein paar Tipps ab. „Sie spielt mit einer seltsamen Technik“, sagte Rittner, „ich würde sie mir im Training ein paarmal angucken.“ Das hat sie offenbar getan, denn sie begann auf dem spärlich besetzten Centre Court mutig. Den Aufschlag der Italienerin konterte sie mehrmals mit einem unerreichbaren Vorhand- Return, im vierten Spiel gelang ihr ein Break, ohne einen Punkt Santangelos zugelassen zu haben. Lisicki spielte variabler als ihre Gegnerin, doch das sollte sich nach dem ersten Satz plötzlich ändern.

„Sie hat das Tempo rausgenommen“, wunderte sich Eberhard. Angesichts der großen Chance, in die zweite Runde eines WTA-Turniers einzuziehen, verließ sie die Unbekümmertheit. Ein Break gelang ihr noch zu Beginn des zweiten Satzes, doch fortan dominierte die Italienerin. Zugleich stieg Lisickis Fehlerquote. Im dritten Satz musste sie sich auch noch von der Turnierärztin am Rücken behandeln lassen. „Sie muss noch an ihrer Athletik arbeiten“, sagte Eberhard. An ihrer Körpersprache war längst abzulesen, dass sie nicht mehr an einen Sieg glaubte. Den zweiten Matchball nutze die Italienerin. Heute tragen die deutschen Hoffnungen Julia Schruff (Augsburg), Martina Müller (Hannover) und Sandra Klösel (Oberkirch).

„Ein Sieg hätte Lisicki 100 bis 150 Plätze in der Weltrangliste nach vorne gebracht“, sagte Eberhard. Doch etwas Gutes hat ihre Niederlage auch. Den Vergleich mit Steffi Graf muss sie so schnell nicht wieder hören.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben