Sabrina Mockenhaupt : Das Hecheln im Nacken

Mockenhaupts Sieg im Halbmarathon ist auch ein Triumph über ihre abwesende Rivalin Mikitenko.

Frank Bachner
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Ende eines Rekordlaufs. Sabrina Mockenhaupt gewann mit neuer Bestzeit. -Foto: dpa

BerlinDiese Geräusche in ihrem Rücken, die hatte sie nicht erwartet. Nicht schon nach drei Kilometern. Es war der Moment, in dem Sabrina Mockenhaupt Mitleid bekam. „Da hörte ich so eine hechelnde Kenianerin in meinem Nacken“, erzählte sie später. „Da habe ich gedacht, Mensch, wie kann man sich so quälen? Schon am Anfang des Rennens.“ Das Rennen, der Halbmarathon in Berlin, dauerte schließlich exakt 21,0975 Kilometer.

Nach 15 Kilometer spürte Mockenhaupt wieder etwas, Nervosität diesmal allerdings. Denn hinter ihr hechelte Hellen Kimutai immer noch. Das hatte die 28-Jährige aus Siegen nun überhaupt nicht erwartet. Also verschärfte sie das Tempo; nach 68:45 Minuten lief sie durchs Ziel. Als Erste, mit persönlichem Rekord. Sechs Sekunden schneller als bei ihrer alten Bestzeit. Und vor allem sechs Sekunden unter der Bestzeit von Irina Mikitenko.

Das war mindestens genauso wichtig wie der Sieg. Mikitenko ist die wichtigste Rivalin von Mockenhaupt. Sie ist sogar eine zentrale Figur im sportlichen Leben der 28-Jährigen vom Kölner Verein für Marathon. Andererseits profitiert auch Mikitenko von Mockenhaupt; es ist so ähnlich wie das Duell der Eisschnellläuferinnen Anni Friesinger und Claudia Pechstein. Nur streiten Mockenhaupt und Mikitenko nicht so inszeniert.

Mikitenko, die 36-Jährige, ist die beste deutsche Marathonläuferin, Mockenhaupt ist die Nummer eins auf der Bahn, aber die Jüngere wagt sich ins Revier der Älteren. Das ergibt nette Duelle, Fernduelle oft genug bloß, aber das allein schon sorgt für mediale Aufmerksamkeit. „Solche Duelle brauchen wir in Deutschland“, sagt Mockenhaupt. Sie bringen die langen Strecken ins Gespräch. Und deshalb sagt Mockenhaupt in Berlin: „Klar freue ich mich, dass ich mal schneller bin als Irina. Ich schaue ja zu ihr auf, da ist so ein Erfolg schon gut.“

Sie haben mal zusammen trainiert, in einem Trainingslager in Portugal. Nach drei Kilometern stieg Mockenhaupt aus. „Da war ich ein Küken“, sagt sie. Chancenlos gegen jemanden, „der im Training eine Kampfsau ist“. Aber beim Hallen-Meeting in Dortmund 2004 fing Mockenhaupt im 3000-Meter-Rennen Mikitenko auf der Ziellinie ab und gewann knapp. Es war ihr erster Sieg gegen die zur Übergröße stilisierte Konkurrentin.

Aber 2008 ließ Mikitenko die Jüngere einfach stehen. Bei der deutschen 10-Kilometer-Meisterschaft kam Mikitenko 50 Sekunden früher als Mockenhaupt ins Ziel. Sie waren auf der Straße gelaufen, dem Revier von Mikitenko. Die trainiert härter als Mockenhaupt, sie hat viel mehr Erfahrung mit Asphalt-Rennen.

Mockenhaupt erkennt das alles an, sie hat damit keine Probleme, weil der Duell-Charakter trotzdem bleibt und ihr Aufmerksamkeit und Sponsoren sichert. Im Halbmarathon oder im Marathon sind sie noch nie gegeneinander gelaufen. „Zum Glück“, sagt Mockenhaupt fast erleichtert. Und wenn sie ehrlich ist, dann fühlt sie sich nicht mal mit ihrer neuen Bestzeit als Siegerin im internen Duell. „Irina hat sich 2008 ganz auf Marathon konzentriert, die war super in Form. Wenn sie mehr Halbmarathon gelaufen wäre, dann wäre sie in einem Rennen sicher schneller gewesen als 68:45.“

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