Sport : Sag mir cuando, sag mir wann Mesut Özil wird Werder Bremen wohl verlassen

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Gejagt. Nicht nur Uruguays Diego Pérez war Mesut Özil zuletzt auf den Fersen. Foto: dpa
Gejagt. Nicht nur Uruguays Diego Pérez war Mesut Özil zuletzt auf den Fersen. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Als Zahlen nicht mehr halfen, versuchte es Klaus Allofs mit Komplimenten. Mesut Özil sei besser als Lionel Messi, da war sich Allofs sicher. Zu diesem Zeitpunkt wusste der Geschäftsführer des SV Werder Bremen bereits, dass er den Kampf um seinen begabtesten Spieler wohl verlieren wird. „Wir hatten gehofft, in den ersten WM-Tagen zueinander zu finden. Wir haben aber bei unseren Gesprächen keine Lösung gefunden“, sagte der Werder-Boss. „Wir waren zwischendurch auf einem guten Weg, die noch fehlende Lücke mit Leben – sprich: mit Zahlen – zu füllen. Aber der Weg war nicht zu Ende zu bringen.“

Die Signale, die von Mesut Özil und seinem Agenten Reza Fazeli ausgehen, sind eindeutig: Der Mittelfeldspieler wird Werder Bremen verlassen. Die Frage ist nur: wann? Özils Vertrag läuft zum Ende der kommenden Saison aus, der Verein würde dann keine Ablöse bekommen. Klaus Allofs hat in den vergangenen Tagen mehrfach betont, dass dieses Szenario „eine Katastrophe“ für den Klub wäre. Real Madrid ist angeblich bereit, 16 Millionen Euro für Özil zu bezahlen – viel Geld, erst recht für einen Verein wie Werder Bremen.

Klaus Allofs ist nun zum Handeln gezwungen, die Angelegenheit ist komplizierter, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Noch bevor die Bundesliga beginnt, bestreitet Werder Bremen am 17. oder 18. August das erste Spiel zur Champions-League-Qualifikation. In Hin- und Rückspiel geht es dann für die Bremer um ein Minimum von 20 Millionen Euro. Klaus Allofs muss sich nun entscheiden, zu welcher finanziellen Einnahmequelle er tendiert: zum Özil-Verkauf oder zur Champions-League-Qualifikation. Entweder oder. Denn soviel ist sicher: Ohne Mesut Özil schwinden Werders Chancen, sich für die Champions League zu qualifizieren. Als der Spielmacher in der vergangenen Spielzeit von einer Formkrise heimgesucht wurde, war das gleichbedeutend mit einer Krise des Bremer Spiels.

Anders als beim VfB Stuttgart, der mit Sami Khedira ebenfalls seinen zentralen Mittelfeldspieler zu verlieren droht, bietet Bremens aktueller Kader keinen adäquaten Ersatz für Özil. Die sportliche Schwächung, die mit dem Verlust des 21-Jährigen einhergehen würde, wäre groß. Prominente Neuverpflichtungen gibt es bisher nicht, lediglich der Name Wesley wurde bisher in Bremen gehandelt. Der ist aber eher ein defensiver Mittelfeldspieler, und ein zweiter Mesut Özil ist er schon gar nicht. So bleibt den Bremern nur die Hoffnung, dass sich bei einem Abgang Özils schon irgendwie eine Lösung finden lässt, so wie sich bisher immer eine Lösung gefunden hat. „Wenn es so käme, hat Werder schon bei Micoud und Diego gezeigt, dass es immer einen adäquaten Ersatz gab“, sagte Tim Borowski.

Für Özil hatte Werders Trainer Thomas Schaaf in der vergangenen Saison das Spielsystem umgestellt. Im 4-2-3-1 konnte Özil seine technischen Qualitäten als zentraler offensiver Mittelfeldspieler perfekt ausspielen. In den letzten Spielen wechselte Schaaf dann wieder auf ein 4-4-2-System mit zwei Stürmern. Momentan scheint es, als müsste er das auf Özil zugeschnittene 4-2-3-1 wieder zu den Akten legen, auch wenn der Bremer Cheftrainer die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, seinen Jungstar doch noch in Empfang nehmen zu können. „Es ist doch klar, dass ich mit Mesut schon gesprochen habe. Er soll erstmal Urlaub machen, sich erholen und dann hoffentlich fit zurückkommen.“ Um sich dann gleich zu verabschieden?

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