Sport : Sagt uns, wo ihr steht

Armin Lehmann

sieht Ballacks Ausfall als Chance zur Emanzipation Michael Ballack wird gegen Argentinien nicht spielen. Erkältet, zurückgeflogen nach München. Das ist keine gute Nachricht, schließlich wollte die Nationalmannschaft mit einem Sieg gegen einen großen Gegner ins Jahr 2005 starten. Bleibt die Gelegenheit, sich anzugucken, was sich tatsächlich unter Bundestrainer Klinsmann verändert hat – und was nicht.

Es wurden viele junge Spieler integriert, neue Trainingsmethoden eingeführt, Klinsmanns Optimismus hat alle motiviert, man will künftig eine Einheit bilden, nach außen wie nach innen. Das ist schön und gut. Nur die Abhängigkeit des Teams von ihrem Kapitän ist geblieben, der als Mittelfeldspieler in 50 Spielen 22 Tore erzielt hat.

Ballack ist Klinsmanns zentrale Figur, er hat Torwart Oliver Kahn die Führung der Mannschaft und die Rolle des einzigen Weltstars längst abgenommen. Alle anderen haben auf dem Platz nicht Ballacks Charisma, dafür versuchen sie beflissen, ihre neuen Aufgaben zu erfüllen und zu gefallen. Trotzdem ist dieses Team seit Klinsmanns Antritt nicht über den Status des Experimentierens hinaus- gekommen. Ballacks Ausfall mindert zwar die Chance auf einen Sieg gegen Argentinien, er erhöht aber auch die Chance, dass die Mannschaft und jeder einzelne Spieler sich emanzipiert. Wer jetzt den Mut findet, Verantwortung zu übernehmen, wird vielleicht mit einem Sieg des Teams belohnt.

Ohne Michael Ballack wird man heute sehr viel mehr über das Leistungsvermögen der Nationalspieler erfahren als mit ihm.

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