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Saison-Aus mit Ansage : Eisbären Berlin: Vom König zum Fußvolk

Die Eisbären Berlin unterliegen im entscheidenden dritten Spiel bei den Nürnberg Ice Tigers in der Verlängerung. Wie schon im Vorjahr scheitern die Eisbären damit in den Pre-Play-offs und stehen vor einem Umbruch.

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Petri Vehanen (li.) und Jens Baxmann können den Nürnberger Treffer nicht verhindern.
Petri Vehanen (li.) und Jens Baxmann können den Nürnberger Treffer nicht verhindern.Foto: Imago

Sie waren die Könige auf dem ewigen Eis. Inzwischen sind die ruhmreichen Eisbären Berlin nur noch Fußvolk in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Nach sieben Meistertiteln zwischen 2005 und 2013 sind die Berliner am Sonntag wie schon im Vorjahr in den Pre-Play-offs gescheitert und gehören damit nicht einmal zu den besten acht Mannschaften der DEL. Am Sonntag zeigte das Team von Uwe Krupp zwar eine engagierte Leistung, verlor aber das dritte und entscheidende Spiel bei den Nürnberg Ice Tigers mit 2:3 (0:0, 0:2, 2:0/0:1) nach Verlängerung.

„Es tut mir leid für die Mannschaft. Die Spieler haben mit Herz und Seele um jeden Zentimeter Eis gekämpft“, sagte ein gefasster Uwe Krupp nach dem nervenaufreibenden Spiel vor 5902 Zuschauern in der Nürnberger Eishalle. „In der Verlängerung in Unterzahl das Tor zu kriegen, ist bitter“, meinte Verteidiger Frank Hördler. Tatsächlich waren die Eisbären drauf und dran, ein Spiel zu drehen, das nach zwei Dritteln schon verloren schien. Nach 40 Minuten führten die Ice Tigers durch Tore von Yasin Ehliz und Steven Reinprecht mit 2:0. Es waren zwei wunderbar herausgespielte Tore, die die ganze Qualität der Offensivabteilung der Gastgeber offenbarten.

Die Berliner hielten mit Kampf und Leidenschaft dagegen. Die Mannschaft warf im letzten Drittel noch einmal alles in die Waagschale, Julian Talbot verkürzte und Casey Borer schaffte rund acht Minuten vor Schluss sogar das 2:2. Plötzlich wackelten auch die in dieser Saison so heimstarken Nürnberger gegen die zuletzt so auswärtsschwachen Eisbären. Und bei den rund 400 mitgereisten Fans der Gäste keimte noch einmal Hoffnung auf. Schließlich hatten die Berliner am Freitag beim 6:3 der Eisbären im Tollhaus Wellblechpalast auch einen Rückstand gedreht. Das Spiel entwickelte sich nun zu einer wahren Play-off-Schlacht, in der nach 60 Minuten immer noch kein Sieger gefunden war. So ging es wie in der Vorsaison im finalen Pre-Play-off-Spiel gegen den späteren Meister ERC Ingolstadt in die Verlängerung.

Dort fehlte den Berlinern erneut im entscheidenden Moment das Glück, auch wenn das allein als Erklärung für das Ausscheiden zu kurz greift. Am Ende profitierte der Gegner dabei auch von zwei Schiedsrichterentscheidungen. Die Referees schickten erst Matt Foy und dann auch noch Henry Haase in der Verlängerung mit Strafen vom Eis. Die Gelegenheit in Überzahl ließen sich die Ice Tigers nicht entgehen; Jason Jaspers erzielte in der 73. Minute das umjubelte Siegtor. So spielt nun Nürnberg im Viertelfinale ab kommenden Mittwoch in einer Best-of-Seven-Serie gegen Hauptrundensieger Adler Mannheim.

Trainer Uwe Krupp kündigte an: „Ab heute beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison.“

„Das Spiel hätte komplett anders ausgehen können. Aber jetzt stehen wir wie die Deppen da und sind keine Sieger“, sagte ein geknickter Marcel Noebels. Warum die Eisbären in dieser Saison keine Konstanz in ihr Spiel bekamen, konnte auch der 22 Jahre alte Stürmer nicht erklären. Für die Eisbären endet damit eine weitere Spielzeit mit einer Enttäuschung. Im Endeffekt hat letztlich keine der Maßnahmen des Klubs gefruchtet. Die Entlassung des glücklosen Jeff Tomlinson im Dezember brachte nur vorübergehend Besserung. Nach einem guten Start unter dem neuen Coach Uwe Krupp wurde zunehmend deutlich, dass die Berliner über keinen Kader für gehobene Ansprüche mehr verfügen. Die immerhin noch elf ehemaligen Meister im aktuellen Kader vom Sonntag sind in der Mehrzahl über ihren Zenit hinaus. Dazu brachte auch die Blutauffrischung durch einige Neuzugänge vor und während der Saison nicht den gewünschten Erfolg.

Damit dürfte in der unfreiwillig langen Sommerpause nun ein Umbruch bei den Eisbären anstehen. Krupp sollte dafür der richtige Mann sein, der ehemalige Kölner Trainer hat schon bei den Haien bewiesen, dass er eine Mannschaft schnell wieder auf Vordermann bringen kann. Die Frage ist nur, wie viel Freiheit der 49-Jährige bei der Kaderplanung tatsächlich hat. Angesichts der jüngsten Personalentscheidungen der sportlichen Leitung sollte die besser möglichst großzügig ausfallen. Am Sonntag kündigte der Trainer schon einmal an: „Ab heute beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison.“ Wer dann alles noch das Trikot der Eisbären Berlin tragen wird, das dürfte eine der spannendsten Fragen in den kommenden Monaten sein.

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