Saisonauftakt : DEL: Eine Liga sortiert sich

Der Anteil einheimischer Spieler in der DEL ist – entgegen allen Vorurteilen – höher als in anderen deutschen Mannschaftssportarten, und das mit steigender Tendenz.

Claus Vetter

Nun also bekommt auch Augsburg sein Dach. 19,3 Millionen kostet die „Einhausung“, so heißt das tatsächlich im Eishockeydeutsch wenn aus einem an der Seite offenen Stadion eine Halle gemacht wird. Bis 2012 wird in Augsburg noch gewerkelt, dann gibt es in der Deutschen Eishockey-Liga kein offenes Stadion mehr. Vielleicht kündet dann noch der Name „Curt-Frenzel-Stadion“ davon, dass es in der alten Bundesligazeit vor der DEL (gegründet 1994) noch in rustikalen Arenen um den Puck gekämpft wurde.

Curt Frenzel? Ja, den Mann gab es tatsächlich. Er war Verleger der Augsburger Allgemeinen Zeitung, langjähriger Vorsitzender des Augsburger Eislaufvereins und Förderer der Eishockeysports in Augsburg. Die Namen „SAP“, „O2“ oder „Tui“ sind dagegen wohl geläufiger, sie zieren die Eingangspforten von Großarenen in Mannheim, Berlin und Hannover und sie markieren auch den strukturellen Umbruch einer Liga, die seit Jahren steigende Zuschauerzahlen hat und in der Gunst des Publikums – mit gehörigem Abstand zum Fußball – die Nummer zwei unter den Mannschaftssportarten ist.

Dabei überrascht diese Spitzenposition der DEL durchaus, schließlich hat sich in sportlicher Hinsicht in den jüngsten Jahren weniger getan als in struktuller Hinsicht. Die Klubs geben längst nicht mehr so viel Geld für gute internationale Spieler aus. Peter John Lee, Manager der Eisbären Berlin, weiß auch warum: „Im Moment ist jedes Unternehmen in Deutschland vorsichtig. Aber wir müssen hier nicht über billig oder teuer reden, sondern über Investitionen in die Zukunft.“ Das würden viele Vereine machen, indem sie immer mehr junge deutsche Spieler zum Einsatz fördern. „Auf lange Sicht ist das natürlich sinnvoller als erfahrene Ausländer zu holen“, sagt Lee.

Tatsächlich ist der Anteil einheimischer Spieler in der Liga – entgegen allen Vorurteilen – höher als in anderen deutschen Mannschaftssportarten, und das mit steigender Tendenz: 62 Prozent der Spieler in der Liga haben zum Saisonstart einen deutschen Pass, vor einem Jahr waren es 59 Prozent. Selbst hinter der Bande wird mehr deutsch gesprochen in der DEL als zuvor: Sechs in der nach dem Ausstieg des EHC Duisburg von 16 auf 15 Klubs geschrumpften Liga haben deutsche Trainer.

Allerdings ist das deutsche Trainerpersonal – mit Ausnahme von Hans Zach in Hannover – vor allem in der Eishockeyprovinz beschäftigt. Und auch bei den deutschen Spielern relativiert sich die Angelegenheit ein wenig, selbst beim Meister Eisbären sind gleich vier Spieler unter Vertrag, welche die Eishockey-Gnade der kanadischen Geburt aufweisen können.

Die leisen Fortschritte der deutschen Spieler sollten sich irgendwann auch in den Leistungen des Nationalteams niederschlagen können. Würde das 2010 passieren, wäre es sicher eine Überraschung – allerdings eine, die dem deutschen Eishockey und damit der Liga nachhaltig weiterhelfen würde: Denn im Mai 2010 findet die Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland statt. Mit dem Zuschauerweltrekordspiel – 76 000 werden in der Schalker Arena die Partie Deutschland gegen die USA sehen – wird sie eröffnet. Und zwar ohne jeden Hauch Curt-Frenzel-Stadion. 

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