Saisonauftakt der NFL : Der Weihnachtsmann kommt

Peyton Manning und die Denver Broncos gehören zu den Mitfavoriten, wenn in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag in den USA die Saison im American Football beginnt.

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Noch gewöhnungsbedürftig. Peyton Manning trägt in der neuen Saison das Trikot der Denver Broncos.
Noch gewöhnungsbedürftig. Peyton Manning trägt in der neuen Saison das Trikot der Denver Broncos.Foto: AFP

In Denver, im Bundesstaat Colorado, fiel Weihnachten dieses Jahr auf den 20. März. Jedenfalls nach dem Empfinden der Fans, Spieler und Verantwortlichen des städtischen Footballteams. An diesem Tag unterschrieb Peyton Manning bei den Broncos einen Vertrag über fünf Jahre, der ihm 96 Millionen Dollar einbringen wird. Manning ist einer der besten Quarterbacks in der Geschichte des American Football, seine Ankunft löste in Denver Jubel in bisher unbekannten Dimensionen aus. „Ich habe mich gefühlt, wie ein kleiner Junge an Heiligabend“, sagte Eric Decker, nachdem der Deal fix war. Decker spielt bei den Broncos auf der Position des Wide Receivers, er soll in Zukunft Mannings Pässe fangen und sie im besten Fall in Punkte umwandeln.

In der Nacht zum Donnerstag beginnt in den USA die Saison in der National Football League (NFL). Zum Auftakt stehen sich Meister New York Giants mit Mannings Bruder Eli und die Dallas Cowboys gegenüber. Denver startet in der Nacht zum Montag gegen die Pittsburgh Steelers (2.30 Uhr), das Spiel wurde von der übertragenden Fernsehanstalt in den USA gleich als Höhepunkt des ersten Spieltags ausgewählt und landesweit ausgestrahlt. In Deutschland können die Fans Mannings Auftritt ebenfalls live mitverfolgen, der Abosender ESPN America hält bisher als einziger die Rechte an der NFL.

Das Mile High Stadium in Denver ist seit langem ausverkauft, auch außerhalb der Stadt fiebern viele Fans mit Peyton Manning. Seine Situation hatte auch jene bewegt, die es ansonsten mit anderen Teams halten. Etwa den New England Patriots, Green Bay Packers oder San Francisco 49ers, die in diesem Jahr allesamt als größte Anwärter auf den Super Bowl gelten.

Seit mehr als einem Jahrzehnt ist Peyton Manning die Verkörperung des Guten im American Football. Ein Saubermann, der Spielzüge auswendig lernt oder im Kraftraum schuftet, während andere sich in Nachtklubs oder bei zwielichtigen Aktivitäten vergnügen. Einer, der nie durch Skandale auffällt, seine Familie aus der Öffentlichkeit raushält und auf dem Feld glänzt. Dass er bisher nur einmal den Super Bowl, das Endspiel der NFL, gewinnen konnte, halten viele für eine große Ungerechtigkeit des Schicksals.

Im vergangenen Jahr sah es dann so aus, als ob es bei diesem einen Titel bleiben soll. Manning verpasste die komplette Spielzeit, eine komplizierte Nackenverletzung schien seiner Karriere ein frühzeitiges Ende zu setzen. Den Indianapolis Colts, für die Manning 14 Jahre gespielt hatte, war das Risiko zu groß. Sie verlängerten seinen Vertrag nicht. Und Manning? Der verlor kein böses Wort über den Klub, verabschiedete sich unter Tränen und ging nach Denver. Dort träumen sie nun davon, mit Manning in ein neues, erfolgreiches Zeitalter starten zu können. Dass der Quarterback 36 Jahre alt ist und nicht mehr zu den Allerjüngsten zählt – geschenkt.

Die Broncos waren in den vergangenen Jahren ein ziemlich mittelmäßiges Football-Team, meistens verpassten sie die Play-offs. Manning entschied sich trotzdem für sie. Das lag vor allem an John Elway. Der gilt als der beste Quarterback, der jemals für die Broncos gespielt hat. Unter seiner Führung gewann man 1997 und 1998 letztmalig die Meisterschaft. Heute ist Elway sportlicher Leiter des Klubs. Er überzeugte Manning, von Legende zu Legende, nach Denver und nicht nach Miami, Arizona, Seattle oder New York zu gehen. Dafür schickte Elway den jungen Tim Tebow zu den New York Jets. Der hatte in der vergangenen Saison etwas ausgelöst, das sie in Denver Tebow-Mania nannten, eine Euphorie um einen, der mit limitierten Fähigkeiten aber vermeintlich himmlischer Unterstützung von Sieg zu Sieg eilt. Elway war nie ein Freund von Tebow-Mania, für ihn kam nur Manning als legitimer Nachfolger in Frage. Als Manning während eines Telefongesprächs mit Elway dann sein Okay zu dem Wechsel gab, sollen Trainer John Fox und Besitzer Pat Bowlen durch Elways Büro getanzt sein. Ob sie dabei Weihnachtsmusik hörten, ist nicht bekannt.

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