Saisonbeginn beim FC Bayern München : Servus, Señor Pep!

Am Montag stellt der FC Bayern München Pep Guardiola als neuen Trainer und Nachfolger von Jupp Heynckes beim Rekordmeister vor. Vorher sollte Guardiola aber auf jeden Fall noch dieses Bayern-ABC lesen.

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Begrüßung per Handschlag: Pep Guardiola kommt bestens vorbereitet zu den Bayern - wenn er das Bayern-ABC gelesen hat.
Begrüßung per Handschlag: Pep Guardiola kommt bestens vorbereitet zu den Bayern - wenn er das Bayern-ABC gelesen hat.Foto: dpa

AUTO

Spieler und Bosse fahren Limousinen des klubeigenen Sponsors mit dem Kennzeichen M für München und DM für Deutscher Meister. Man sollte sich hüten, mit einem anderem Fabrikat zum Training zu kommen. Da hat schon Oliver Kahn Ärger gekriegt – als er im Ferrari vorfuhr.

BÜRO

Der erste Blick ins Büro von Uli Hoeneß ist ein Schock. Der Präsident mag es rustikal, bei ihm sieht es aus wie in einer Bauernstube: schwere Möbel, viel Schnitzkunst. Willkommen in Bayern.

CHRISTL

Auf dem Weg zum Training noch ein belegtes Brötchen? Gerne, nur bitte nicht in der Bretterbude ein paar hundert Meter vor der Säbener Straße. Das ist das Löwenstüberl von 1860. Leute von Bayern schmeißt die Wirtin, von allen nur Christl genannt, hochkant raus.

DETEKTIVE

Hat es vielleicht in Barcelona gebraucht, um den Lebenswandel der Spieler zu beobachten. München dagegen ist ein Dorf. Geht ein Profi zu lange aus, wissen es am nächsten Morgen alle. Mario Basler flucht deshalb heute noch in sein Weißbierglas.

EINKAUFSZENTRUM

Die Begeisterung ist groß, aber nein: Sie haben jetzt nicht auch noch ein Einkaufszentrum nach Guardiola benannt. PEP im Stadtteil Neuperlach steht für „Perlacher Einkaufs-Passagen“.

FÜHRUNGSSPIELER

Längst ausgestorbene Spezies, was bei Niederlagen von Führungsspielern a.D. wie Oliver Kahn oder Stefan Effenberg traditionell als Grund der Misere ausgemacht wird. Einziges Gegenmittel: Siege.

GIESING

Arbeiterviertel, traditionell der Stadtteil des Rivalen 1860. Nach vergeigten Spielen von Franz Beckenbauer gerne als Beschimpfung gebraucht: „Das war schlecht wie Untergiesing gegen Obergiesing.“

HOENESS, ULI

Architekt des Vereins, immer noch eine Macht im Klub, zuletzt aber schwer angeknockt. Das Wort „Steuer“ ist unbedingt zu meiden auf dem Trainingsgelände.

IDIOM

Da kann man beim Sabbatical in New York Deutsch büffeln, wie man will. Wenn der Fan aus Niederbayern um ein Autogramm bittet, wird das Anliegen nur durch Papier und Stift in seiner Hand klar.

JUBEL

Weißbierduschen nach Titeln sind eine Sauerei, aber ungefährlich. Doch aufgepasst: Louis van Gaal hat sich beim Torjubel mal eine Muskelfaser gerissen – als Franck Ribéry in seine Arme sprang.

KÖNIGLICHE

Münchner Fans mögen Real Madrid überhaupt nicht. Madrilenen beschimpfen umgekehrt den FC Bayern als „La bestia negra“, die schwarze Bestie. Alles wie gehabt also für einen Mann aus Barcelona.

LICHTGESTALT

Bei Bayern quatscht wirklich jeder mit, bei Franz Beckenbauer haben sie alle schon resigniert. Das Mittel der Wahl deshalb: Lächeln und auf Durchzug schalten.

MIA SAN MIA

Von Barcelonas Motto „Més que un club“ (Mehr als ein Verein) zu „Mia san Mia“ in München. Ins Hochdeutsche übersetzt heißt das: Alle anderen sind doof.

NAMEN, GROSSE

Gibt es viele im Kader, deren Seelen gestreichelt werden wollen. Schafft ein Trainer das nicht, gibt es Krach. Siehe Giovanni Trapattoni. Schafft es ein Trainer, gibt es das Triple. Siehe Jupp Heynckes.

OLÉ

Tiki-Taka bedeutet Ballbesitz, bedeutet viele Pässe. So etwas mag das Münchner Publikum, es brüllt gerne bei jedem Pass „Olé“. Heimatgefühle für einen Spanier.

PARKPLATZ

Früher gab es eine Zweiklassenparkgesellschaft. Oben parkten Oliver Kahn, Mehmet Scholl und die Trainer, drei Treppenabsätze tiefer der Rest. Man nannte das Hierarchie. Der Trainer kann heute in eine Tiefgarage, da gibt es keine lästigen Fans.

QUACKSALBER

In München laufen bereits Wetten, wann der neue Trainer gegen all die Experten keift, die ständig alles besser wissen. Höchstgebot bisher: zweiter Spieltag.

RESERVE

Der schwarze Fleck auf der weißen Weste des Triplesiegers. Die Reserve spielt nur in der vierten Liga. Bayern ist nicht Barcelona. Talente gucken aber geht ein paar hundert Meter weiter beim Trainingsgelände von 1860: Die sind im Nachwuchs richtig stark.

SPITZE, VERKAPPTE

Der Deutsche und insbesondere der Münchner ist stolz auf seine Nummer 9. Frag nach bei Gerd Müller. Sollte Bayern bald wie Barcelona oft ganz ohne Stürmer auflaufen, müssen schon ästhetisch wertvolle Siege her. Sonst murrt das Publikum.

TECHNIK

E-Mail an Uli Hoeneß? Hat der Präsident nicht. SMS an Uli Hoeneß? Liest der Präsident nicht. Der Chef ist ein Technikverweigerer. Dafür sind in die Spinde der Spieler kleine Computer eingebaut, um das Trainingsprogramm anzuzeigen. Das hatte sich Jürgen Klinsmann ausgedacht, bevor sie ihn rausgeschmissen haben.

UDE, CHRISTIAN

Oberbürgermeister von der SPD. Ist bei Meisterfeiern immer dabei, muss aber zwingend ausgepfiffen werden. Intimfeind von Uli Hoeneß. War 13 Jahre Aufsichtsrat bei 1860.

VERBALATTACKE

Beim FC Bayern pflegt man in der entscheidenden Phase des Meisterschaftskampfes das Stilmittel der Verbalattacke, zur Verunsicherung der Konkurrenz. Die Bosse erwarten einen Hauch von Mourinho.

WEIN

Am Abend vor Spielen trinkt der Trainer im Hotel ein Glas Rotwein mit Uli Hoeneß. Sprudel ist zu meiden, das weiß nun auch Jürgen Klinsmann. Ebenfalls keine gute Wahl: spanischer Rioja. Der ist Louis van Gaal nicht gut bekommen.

XAVER

In Bayern heißen Spanier grundsätzlich Xaver, weil irgendwie ja alle Spanier Javier heißen und das hier niemand aussprechen kann. Wer Pep heißt und meint, er wolle Pep genannt werden, muss ein Machtwort sprechen wie einst Schweinsteiger, als er sich Schweini verbat.

Y-CHROMOSOM

Ein ausgeprägter Testosteronhaushalt kann nicht schaden, um sich im Protzbetrieb FC Bayern durchzusetzen. Siehe Jupp Heynckes, der zuletzt alle zwei Tage die eigene Herrlichkeit betonte, um Kritik gar nicht erst aufkommen zu lassen.

ZWEITER

Erich Ribbeck sagte als Trainer der Bayern Anfang der neunziger Jahre mal sinngemäß, dass ein zweiter Platz ja auch kein Beinbruch wäre. Es dauerte nicht lange, da setzte Franz Beckenbauer ihn ab und sich selbst auf die Trainerbank. Merke: An einen zweiten Platz nie auch nur denken.

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