Saisonfinale : Die aufregendste Kurve der Geschichte

Sebastian Vettel startet beim Großen Preis von Abu Dhabi von der Poleposition. Es wird ein Herzschlagfinale gegen seine drei Titelkonkurrenten Alonso, Hamilton und Webber.

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Dämmert da was? Sebastian Vettel hat sich mit seinem Sieg in der Qualifikation in Abu Dhabi in eine aussichtsreiche Position gebracht. Foto: AFP
Dämmert da was? Sebastian Vettel hat sich mit seinem Sieg in der Qualifikation in Abu Dhabi in eine aussichtsreiche Position...Foto: AFP

Es war das Herzschlagfinale vor dem Herzschlagfinale. Am Ende waren es 31 Tausendstelsekunden Vorsprung, die Sebastian Vettel über die Ziellinie rettete. Der Red-Bull-Pilot fuhr im Qualifikationstraining zum letzten Formel-1-Lauf der Saison in Abu Dhabi am Samstag zum zehnten Mal in diesem Jahr auf die Poleposition. „Es war eng, ich war schon fertig und die anderen waren noch auf ihren schnellen Runden“, erzählte der erleichterte Heppenheimer hernach. „Ich habe versucht, so viel wie möglich über Funk zu erfahren.“ Schließlich konnte man ihm die frohe Botschaft übermitteln: Der McLaren-Pilot Lewis Hamilton hatte seine Bestzeit um Haaresbreite verfehlt. So geht der WM-Dritte Vettel heute (14 Uhr/live bei RTL und Sky) als Erster der vier Titelanwärter in den Showdown, direkt vor den Kontrahenten Hamilton und dem WM-Führenden Fernando Alonso im Ferrari. „Ein phänomenales Qualifying“, sagte Vettel, „es hätte nicht besser laufen können.“

Nun, ein bisschen besser hätte es vielleicht sein können, wenn sich Alonso nicht noch in letzter Sekunde von Startplatz fünf auf drei geschoben hätte. Damit war der Spanier wie so oft zuletzt der heimliche Sieger. Wenn es im Rennen so bleibt, wäre Alonso Weltmeister. „Wir sind in einer sehr starken Position“, sagte der 29-Jährige, „wir brauchen nur noch einen Tag mehr Perfektion.“

55 Runden auf dem Yas Marina Circuit muss er noch bis zu seinem dritten Titel absolvieren und zuallererst einmal den scharfen Linksknick nach dem Start. Es könnte die aufregendste Kurvendurchfahrt der Formel-1-Geschichte werden, wenn die Gruppe der Titelanwärter sich dort dicht an dicht durchquetschen will. „Die ersten 10 oder 20 Meter sind entscheidend“, sagte Alonso. „Danach kann man sehen, ob man attackieren kann oder verteidigen muss.“ Der Spanier wird wohl eher in die kontrollierte Defensive gehen. „Wir werden die WM nicht in der ersten Kurve gewinnen“, erklärte er. „Wir können sie dort nur verlieren.“ Der alte Taktikfuchs hat im Rennen als Einziger der Titelkandidaten einen kleinen strategischen Reservetank. Sein Bezugspunkt heißt Mark Webber. Alonso weiß, dass ihm sogar der vierte Platz reichen könnte, wenn er Vettels Teamkollegen hinter sich hält. Dem Australier versagten nämlich bereits im Vorspann zum Titelkrimi die Nerven. Der enttäuschte WM-Zweite fuhr nur die fünftschnellste Zeit, noch hinter dem scheidenden Champion Jenson Button im zweiten McLaren. „Keine Frage, es ist besser, Dritter zu sein und Mark auf Platz fünf zu haben als auf Platz eins“, erklärte Alonso.

Webber war verständlicherweise „nicht gut drauf, ich wäre gern weiter vorn gewesen“. Der 34-Jährige ist nun weit von dem Stallorderszenario entfernt, über das seit einer Woche geredet wird: Vettel überlässt ihm den Sieg und macht Webber zum Weltmeister. Auch Vettel schien erleichtert darüber, dass dieser Kelch wohl an ihm vorübergehen wird.

Er kann sich nun darauf konzentrieren, auch nach der ersten Kurve vorn zu bleiben und wird dann hoffen, dass hinter ihm eine kleine Rangelei mit Alonso im Mittelpunkt losbricht. Der Spanier darf höchstens Fünfter werden, damit der Deutsche mit einer Wiederholung seines Vorjahressiegs der jüngste Formel-1-Weltmeister überhaupt werden kann. „Ich muss versuchen zu gewinnen und den Rest werden wir sehen“, sagte Vettel. Er mache sich keine großen Gedanken, sondern versuche einfach, sein Ding durchzuziehen: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Dann fuhr er nach der schnellsten Qualifikationsrunde auch noch als Erster auf die psychologische Einführungsrunde zum großen Finale. „Ich habe nichts zu verlieren“, versicherte er, „ich führe ja nicht in der WM. Auf Fernando und Mark lastet mehr Druck.“

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