Saisonstart : Alles auf Anfang

Die Eisbären starten bei den Kassel Huskies am Freitag mit einigen Veränderungen in die neue DEL-Saison.

Katrin Schulze
Glaubt an sein Team: Eisbären-Coach Don Jackson
Zufrieden Don Jackson trainiert seit 2007 die Eisbären.Foto: dpa

Die bunten Leibchen haben vorübergehend ausgedient. In einer knalligen, politisch dazu noch unverfänglichen, rot-grün-schwarz-gelben Trikotmischung flitzten die Profis der Eisbären Berlin gestern noch bei ihrer Übungseinheit in der Arena am Ostbahnhof übers Eis. Heute aber ist es endlich Zeit für die offizielle Spielbekleidung. Und das ist auch gut so, findet zumindest Steve Walker. „Immer nur zu trainieren macht keinen Spaß“, sagt er. „Ich bin heilfroh, dass es endlich losgeht.“ Walker lächelt zufrieden. Wenn er sein Team heute bei den Kassel Huskies (Beginn 19.30 Uhr) zum Auftakt der Deutschen Eishockey-Liga anführt, wird der Berliner Mannschaftskapitän vermutlich wieder etwas ernster dreinschauen.

Dann nämlich geht es von Anfang darum, „die Basis zur Titelverteidigung zu legen“, wie er sagt. So ist der deutsche Eishockeymeister: fast immer locker, aber trotzdem stets auf das Ziel fokussiert. Zum fünften Mal wollen die Berliner in dieser Saison nun schon den nationalen Titel holen. Einfacher wird das nicht, weil sich die Konkurrenz mehr und mehr auf die Spielkultur des Favoriten einstellt und auch selbst vor der neuen Spielzeit personell aufgerüstet hat. „Jeder, der gegen den Meister spielt, ist noch motivierter als sonst“, sagt Eisbären-Trainer Don Jackson. „Deshalb müssen wir auch gegen ein Team wie die Huskies sehr gut aufpassen.“ Ein Selbstläufer, wie viele Außenstehende es annehmen, werde es auf jeden Fall nicht.

Natürlich. Unterschätzen wollen die Berliner keinen Gegner, aber „es ist schon gut, in Kassel zu starten“, rutscht es Steve Walker dann doch noch heraus. Die vermeintlich stärkste Konkurrenz sitzt nämlich nicht in Hessen, sondern in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. „Die Düsseldorfer EG, Köln und Mannheim“, zählt der Angreifer auf und reiht sich damit in die Meinungen einiger Experten ein. „ Diese Teams zu schlagen wird eine sehr schwere Aufgabe.“

Es scheint fast so, als würden die Eisbären selbst ein wenig an ihrer zuletzt doch sehr klaren Dominanz in der Liga zweifeln, da die Mannschaft „gerade im Sturm nicht mehr so gut wie im vorigen Jahr besetzt ist“, wie Walker findet. Spieler wie der langjährige Leistungsträger Mark Beaufait und der wendige Angreifer Nathan Robinson, der nach Mannheim zurückgekehrt ist, fehlen im Sturm. Hinzu kommt, dass zunächst noch Stürmer Alexander Weiß (Gehirnerschütterung) und Constantin Braun (Schulterverletzung) ausfallen. „Wir müssen in dieser Saison auf unser zusammengewachsenes Team setzen“, sagt Walker.

Und er lebt diese Philosophie gleich selbst vor. Nach Sven Felski ist der 36 Jahre alte Kanadier der dienstälteste Berliner Profi – und steht damit sozusagen sinnbildlich für das nachhaltige Konzept seines Klubs. Wenn einer die Berechtigung besitzt, sich Sorgen um den Zustand seiner Mannschaft zu machen, dann ist es Walker. „Nach dem Wegfall einiger Säulen kommt es immer mehr auf unsere jungen deutschen Spieler an“, sagt er. „Sie müssen Verantwortung übernehmen.“ Es liegt an dem Kapitän und seinen erfahrenen Kollegen, auch mit einer im Vergleich zum vergangenen Jahr womöglich etwas schwächeren Eisbären-Mannschaft wieder oben mitzuspielen und die Jüngeren zu Führungsspielern aufzubauen.

Steve Walker selbst hat zu diesem Zwecke in letzter Zeit fleißig an seinem Deutsch gefeilt. Als er am Donnerstag vom Eis gestapft war, fragte er in einem ulkigen Unterton: „Samstag ... again ... wieder hier?“ Ja, natürlich, war die Antwort eines Betreuers. Dann aber erstmal wieder nur zum Training.

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