Saisonstart in der NFL : Johnny Football will Cash

Clevelands Quarterback Johnny Manziel spaltet vor dem NFL-Saisonstart die Football-Gemeinde.

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Geld oder Leader? Johnny Manziels Zukunft in der NFL ist ungewiss. Foto: Imago
Geld oder Leader? Johnny Manziels Zukunft in der NFL ist ungewiss. Foto: ImagoFoto: Imago

Den 8. Mai 2014 würde Jerry Jones am liebsten aus seinem Leben streichen. Es war der Tag der jährlichen Talenteziehung in der National Football League (NFL), bei der in New York die verheißungsvollsten jungen Football-Spieler von den Vereinen ausgewählt wurden. Jones, der Besitzer der Dallas Cowboys, saß gemeinsam mit seinem Sohn und Vizepräsidenten Stephen und dem Cowboys-Trainer Jason Garrett im Büro und diskutierte. "Ich wollte es riskieren, ich wollte Manziel", sagte Jones bei "ESPN". Er meinte Johnny Manziel, den Quarterback der Texas A&M Universität, der überraschenderweise noch verfügbar war, als die Cowboys an die Reihe kamen. "Aber ich war der einzige", so Jones. Er ließ sich überstimmen, die Cowboys wählten schließlich Lineman Zack Martin. Jones: "Ich habe auf die anderen gehört - und ich bin nicht glücklich damit. Ich werde jeden Tag verärgerter darüber, dass ich ihn nicht genommen habe."

Der Streit und Ärger im Hause Jones steht für die Wucht, mit der Johnny Manziel seit Monaten die Football-Gemeinde in den USA spaltet. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag beginnt mit dem Spiel zwischen Titelverteidiger Seattle Seahawks und den Green Bay Packers die neue NFL-Saison (2.30 Uhr, live beim Pay-TV-Sender Sport1 US). Ein Spitzenspiel, beide Teams werden zum engsten Favoritenkreis gezählt. Das Hauptinteresse derzeit gilt aber eindeutig Manziel von den Cleveland Browns. Noch nie wurde im Vorfeld ein Spieler vor seinem Debüt so kontrovers diskutiert wie der junge Mann, der von den Medien den Spitznamen „Johnny Football“ verpasst bekam. Längst haben sich der geschäftstüchtige Manziel und seine Berater diesen Namen als Marke schützen lassen.

Nie zuvor bekam ein Liga-Neuling mehr Geld für Werbung

Es war nicht der einzige Deal, mit dem sich Manziel schon vor dem Start seiner Profikarriere als Superstar auf dem Sportmarkt positionierte. Der Sportartikelhersteller Nike nahm den 21-Jährigen, der einer reichen texanischen Familie aus der Ölindustrie entstammt, im Frühjahr unter Vertrag. Manziels enger Freund, Basketball-Star LeBron James, soll dabei geholfen haben. Details wurden nicht bekannt, es soll sich aber um eine Millionensumme im hohen zweistelligen Bereich handeln. Als sicher gilt, dass nie zuvor ein Liga-Neuling in irgendeiner amerikanischen Sportart mehr Geld für seine Werbedienste erhalten hat.

Manziels Vertragspartner gehen ein hohes Risiko, denn niemand weiß, was Manziel auf dem Feld tatsächlich kann. Zwischen Star und Flop scheint es keine Mitte zu geben. Viele sprechen ihm die Qualität für die NFL ab und halten ihn für ein überschätztes Marketingprodukt. Auf dem College zeigte Manziel teils überragende Leistungen, aber das sportliche Niveau der College-Liga ist nicht mit dem der NFL vergleichbar. Manziel wäre nicht der erste College-Star, der bei den Profis kläglich scheitert.

Zweifel an seiner Eignung als NFL-Quarterback gibt es viele. Manziel gilt mit einer Körpergröße von 1,83 Metern und einem Gewicht von 95 Kilogramm als deutlich zu klein und zu leicht für Profi-Football. Auf dem College musste er keine Spielzüge lernen, er machte einfach, was er gerade für richtig hielt.

Seine Freizeit verbringt er gerne in Nachtklubs

In der NFL, wo alle Spielzüge im Vorfeld genau geplant sind, geht das nicht. Manziel müsste ein Playbook lernen, nur war Lernen bisher nicht seine bevorzugte Beschäftigung. Die Freizeit verbringt er am liebsten in Nachtklubs, wahlweise in der Begleitung von Unterwäsche-Models oder Musikstars. Auf dem College wurde gegen ihn eine Sperre verhängt, weil er von seinen Kommilitonen Geld für Autogramme genommen haben soll. Als er wieder spielen durfte, feierte er gelungene Aktionen, indem er die Hand hob und Daumen und Zeigefinger aneinander rieb. „Show me the money“, so der Name für die inzwischen typische Manziel-Geste.

All diese Dinge waren es, die viele Klubs von einer Verpflichtung Manziels abrücken ließen. Beim Draft wurde er erst an 22. Stelle von Cleveland gezogen, was Manziel mit der „Show-me-the-money-Geste“ feierte. Trainer Mike Pettine war nicht zum Feiern zumute, er hält wenig von seinem prominenten Neuling. So wird Manziel zum Auftakt am Sonntag gegen die Pittsburgh Steelers nur auf der Bank sitzen. Ärger ist programmiert. Die Chancen, dass er irgendwann doch noch bei den Dallas Cowboys landet, sind gar nicht so gering.

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