Saisonstart in Östersund : Schuss ins Ungewisse für die deutschen Biathletinnen

Nach dem Karriereende von Magdalena Neuer setzen die deutschen Biathletinnen in der neuen Saison auf unbekannte Gesichter – und eine frühere Skilangläuferin.

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Munter mit Gewehr. Evi Sachenbacher-Stehle ist nach zwei Olympiamedaillen im Langlauf zum Biathlon gewechselt und verstärkt den dünn besetzten Frauenkader.
Munter mit Gewehr. Evi Sachenbacher-Stehle ist nach zwei Olympiamedaillen im Langlauf zum Biathlon gewechselt und verstärkt den...Foto: dapd

Auf die Frage nach Magdalena Neuner reagiert Uwe Müßiggang erstaunlich routiniert. Vielleicht, weil er sie in den vergangenen Monaten oft gehört und immer wieder beantwortet hat. Also sagt er: „Natürlich können wir Lena nicht einfach ersetzen, aber sie ist nicht die einzige Athletin, die aufgehört hat.“ Der Bundestrainer der Biathleten nennt die Namen Kati Wilhelm, Simone Hauswald und Martine Beck, dabei gingen die drei schon im vergangenen Winter nicht mehr an den Start. Biathlon blieb trotzdem die populärste Wintersportart der Deutschen, denn Biathlon hatte Magdalena Neuner. Vor einem knappen Jahr überraschte die damals 25-Jährige dann jedoch mit ihrer Rücktrittsankündigung. Und so ist die am Sonntag mit einer Mixed-Staffel im schwedischen Östersund beginnende Weltcup-Saison ein Ausflug ins Ungewisse für die deutsche Frauenmannschaft.

Die größten Hoffnungen ruhen auf Andrea Henkel. Neben ihr ist für die Mixed-Staffel in Östersund Tina Bachmann gesetzt. Zum Aufgebot für die weiteren Rennen in Schweden gehören bei den Frauen außerdem die bis dato relativ unbekannten Athletinnen Maren Hammerschmidt, Franziska Hildebrand, Nadine Horchler und Miriam Gössner.

Vorerst nicht dabei ist Evi Sachenbacher-Stehle. Die frühere Langläuferin wechselte im Frühjahr zum Biathlon, Wunderdinge sind von der 31-Jährigen aber noch nicht zu erwarten. Zunächst muss sie sich im zweitklassigen IBU-Cup qualifizieren, wo sie ihre neu erworbenen Fertigkeiten im Schießen unter Beweis stellen kann. „Auf der Kirmes habe ich schon mal geschossen, aber sonst gar nicht. Und auf der Kirmes ist das schon etwas anderes“, sagte Sachenbacher-Stehle kürzlich im finnischen Trainingslager. Wenn es im IBU-Cup gut für sie läuft, könnte sie beim dritten Weltcup Mitte Dezember in Pokljuka erstmals an den Start gehen.

Dass die Biathleten sich aus dem Reservoir der Langläufer bedienen, wirkt auf den ersten Blick verwunderlich. Von Wilderei will Bundestrainer Müßiggang aber nicht sprechen. „Das ist eher ein fließender Übergang, bei dem die Athleten selbst entscheiden, wo sie starten.“

Trotzdem erstaunen die Nachwuchsprobleme in Deutschland angesichts der großen Popularität von Biathlon. Müßiggang fordert mit Blick auf die Anstrengungen anderer Nationen mehr finanzielle Mittel. Dabei profitieren die Biathleten derzeit noch von Fernsehgeldern. Doch diese Quelle könnte versiegen, wenn die Erfolge ausbleiben. Der Bundestrainer ist dennoch optimistisch: „Ich glaube schon, dass die Fans auch die Leistungen von Athleten anderer Nationen anerkennen und uns treu bleiben.“ Anfangs womöglich schon, aber auf Dauer?

Magdalena Neuner jedenfalls vermisst ihren früheren Sport derzeit überhaupt nicht. „Wenn ich daran denke, dass jetzt die deutschen Biathletinnen in Finnland trainieren, wo es zu dieser Jahreszeit kaum noch hell wird, dann juckt’s mich gar nicht mehr“, sagte sie freimütig. Der Biathlonsport dürfte Magdalena Neuner in den kommenden Monaten umso mehr vermissen. Und so wird Uwe Müßiggang wohl noch häufiger Fragen nach seiner einstigen Ausnahmeathletin beantworten müssen.

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