Saisonstart : "Unsere Epoche beginnt gerade erst"

Füchse-Präsident Frank Steffel über Finanzen, Favoriten und die Kontrolle von Manager Bob Hanning.

Steffel
Frank Steffel, 43, besucht als Präsident der Reinickendorfer Füchse jedes Heimspiel des Bundesligisten. Für die CDU kandidiert er...Foto: ddp

Herr Steffel, worin sehen Sie den Unterschied zwischen einer schwarzen und einer roten Null?



Ersteres bedeutet, dass man Steuern zahlen muss.

Das ist ja dann wohl nicht so toll für die Füchse, die sich seit vier Jahren damit brüsten, eine schwarze Null zu schreiben.

Doch, denn ich finde es besser, Steuern zu zahlen, als auf Pump zu leben.

Aber ganz Deutschland lebt doch auf Pump, warum nicht auch die Füchse?

Im Sport ist kurzfristiger Erfolg auf diese Weise sicherlich möglich, aber langfristig rächt sich das. Wir sind doch nicht in einem Casino, wo man immer nur hoffen kann, dass die Kugel irgendwann einmal richtig fällt.

Ist diese Einstellung der Grund dafür, dass Handball-Weltstars wie der Franzose Narcisse, die etwa eine Million Euro kosten, für die Füchse auf lange Sicht kein Thema sind?

Mit so einem Spieler würden wir gegenwärtig auch das Gefüge unseres Teams zerstören.

Wie sieht denn dieses Gefüge aus?

Wir sind ein Team. Harmonie steht über allem, keiner spielt den Star.

Welche Platzierung der Füchse halten Sie unter dieser Prämisse für möglich?

Zwischen den Plätzen acht bis sechs.

Tatsache ist, dass die Bundesligavereine in der Summe in dieser Saison mit über 68 Millionen Euro einen Rekordetat aufweisen. Der THW Kiel, der HSV Hamburg und die Rhein-Neckar Löwen haben etwa doppelt so viel Geld zur Verfügung wie die Füchse.

Das ist so, und diese Teams sind auch die Favoriten auf den Titel. Vielleicht auch noch der TBV Lemgo. Unser Ziel ist es, in den kommenden vier Jahren Schritt für Schritt den Anschluss zu schaffen.

Gibt es Vereine, deren Weg Ihren Intentionen nahe kommt?

Frisch Auf Göppingen arbeitet sehr solide. Bis vor zwei Jahren hätte ich auch den SC Magdeburg genannt, bei dem nach der Deutschen Einheit unglaublich viel für den Spitzen- und den Nachwuchssport getan wurde.

Stichwort Magdeburg: Dort hatte der Manager immer mehr an Macht gewonnen, letztlich wird ihm vorgeworfen, finanziell nicht sauber gearbeitet zu haben.

Dort hat man das Thema Kontrolle wohl nicht ernst genommen. Übrigens, um der Frage vorzubauen, mit Bob Hanning kann uns das nicht passieren.

Warum nicht? Schließlich ist der umtriebige Füchse-Manager in der Öffentlichkeit ebenfalls so etwas wie ein Alleinherrscher bei Ihrem Klub.

Das hängt mit unserer Philosophie zusammen, die besagt, dass niemand unersetzbar ist und das Wohl und Wehe des Projekts nicht von Einzelpersonen abhängen darf. Unabhängig davon war mein Zusammentreffen mit Bob Hanning für den Berliner Handball ein Glücksfall. Seine Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen.

In den zurückliegenden vier Jahren ging es mit den Füchsen stetig bergauf. Was passiert, wenn es mit dem Europacupplatz in dieser Saison nicht klappt?

Dann geht die Welt auch nicht unter, dann schaffen wir das eben ein Jahr später. Unser Konzept ist in allen Punkten langfristig angelegt. Unsere neue Epoche beginnt ja gerade erst.

Mit Spielern und einem isländischen Trainer, die sicherlich auch nicht ganz billig waren.

Aber für uns so bezahlbar, dass zum Saisonende bei uns wieder die schwarze Null stehen wird und wir gerne in Berlin Steuern bezahlen.

Die Fragen stellte Hartmut Moheit.

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