Saisonvorschau Handball : Der Titel geht nach Hamburg oder Kiel

Auch in der neuen Saison geht es wohl nur darum, ob Hamburg oder Kiel den Titel in der Handball-Bundesliga holt.

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Alles wie immer. Pascal Hens vom HSV (am Ball) und der Kieler Momir Ilic sind mit ihren Teams die Topfavoriten.
Alles wie immer. Pascal Hens vom HSV (am Ball) und der Kieler Momir Ilic sind mit ihren Teams die Topfavoriten.Foto: dapd

Berlin - Für manche Menschen ist das Maximum einfach normaler Anspruch. Alfred Gislason ist so ein Typ. „Wir wollen jeden Wettbewerb gewinnen“, sagt der Trainer des THW Kiel vor dem Start in die Handball-Saison. Neben der Champions League und dem DHB-Pokal haben es die Kieler aber vor allem auf einen Titel abgesehen: die Deutsche Meisterschaft. Schließlich ist ihre beinah beängstigende Serie von sechs nationalen Titeln am Stück seit 2005 im Mai jäh gerissen – für das Kieler Selbstverständnis eine Katastrophe.

Das soll sich so schnell wie möglich ändern – mittelfristig könnte auch Silvio Heinevetter dabei eine Rolle spielen. Die „Kieler Nachrichten“ berichten, der Füchse-Torwart werde ab 2013 den französischen Torhüter Thierry Omeyer beim THW ersetzen und habe bereits einen Vorvertrag in Kiel unterschrieben. Die Kieler sollen demnach bereits jetzt an Heinevetters Gehaltszahlungen in Berlin beteiligt sein. „Ich werde mich zu diesem Thema nicht äußern“, sagte Füchse-Manager Bob Hanning dem Tagesspiegel, auch Kiels Manager Klaus Elwardt wollten den Bericht gestern nicht bestätigen.

„Die Kieler werden gereizt in die Saison gehen“, sagt der ehemalige Bundestrainer Heiner Brand, „das macht sie noch gefährlicher.“ Trotz der Revanchegelüste beim THW rechnen Experten vor der 35. Bundesliga-Saison jedoch mit einem engen Rennen zwischen dem Rekord-Champion und dem amtierenden Meister aus Hamburg. Bei einer Umfrage tippten die Bundesliga-Trainer 16 Mal auf Kiel und 13 Mal auf Hamburg. „Das ist keine gewagte Prognose“, sagt Heiner Brand.

Auch ein Kandidat. Der THW Kiel soll sehr konkret an Füchse-Torwart Silvio Heinevetter interessiert sein.
Auch ein Kandidat. Der THW Kiel soll sehr konkret an Füchse-Torwart Silvio Heinevetter interessiert sein.Foto: Mike Wolff

Tatsächlich kommen beide Teams nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich übermächtig daher. Der THW geht mit einem Rekordetat von 9,5 Millionen Euro in die Saison, gefolgt vom HSV (9). Zum Vergleich: Der SC Magdeburg, immerhin Europapokal-Teilnehmer, muss mit vier Millionen Euro auskommen, Aufsteiger Hüttenberg mit knapp einer. Die Handball-Bundesliga bleibt auch 2011 eine Zweiklassengesellschaft. Kein Wunder, dass die 13 letzten nationalen Titel allesamt nach Hamburg (1 x Meister, 2 x Pokalsieger) oder eben Kiel (6 x Meister, 4 x Pokalsieger) gingen. Offenbar hat diese Bilanz die Verfolger eingeschüchtert. Kein anderer Verein erhebt vor dem Saisonstart offiziell Anspruch auf einen Titel.

Auch bei der SG Flensburg-Handewitt hält man sich dezent zurück. „Es muss unser Anspruch sein, mal wieder die Meisterschaft zu holen. In diesem Jahr ist es dafür aber noch zu früh“, sagt Manager Dierk Schmäschke. Zwar hat der Meister von 2004 mit den Nationalspielern Lars Kaufmann (kam aus Göppingen), Holger Glandorf (TBV Lemgo) sowie Torhüter Mattias Andersson (TV Großwallstadt) die im Paket wohl spektakulärsten Zugänge der Liga verpflichtet. Im Gegenzug verließen jedoch gestandene Profis wie Dan Beutler oder Oscar Carlen (beide zum HSV) den Verein. „Wir benötigen als Team noch Zeit“, sagt Trainer Ljubomir Vranjes deshalb.

Ob die SG dem alten Rivalen bereits jetzt gefährlich werden kann, wird sich am Sonntag zeigen. Dann treten die Flensburger zum Topspiel des ersten Spieltags in Kiel an (17.30 Uhr/live bei Sport1). „Der THW ist sicherlich Favorit“, sagt Dierk Schmäschke. „Aber wir fahren bestimmt nicht nach Kiel, um uns abschießen zu lassen.“ Das haben sich in den vergangenen Jahren allerdings viele Teams vorgenommen. Selten mit Erfolg.

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