Sport : Sammer hat Schmerzen

Dortmunds Spieler können ihre Selbstzufriedenheit einfach nicht ablegen

Felix Meininghaus

Was sind sie in Dortmund verbal in Vorleistung getreten vor Beginn der Bundesligarückrunde. Wer nach Berlin fahre, „um da locker Fußball zu spielen", sagte BVB-Präsident Gerd Niebaum, „der soll am besten zu Hause bleiben“. Trainer Matthias Sammer sprach gar davon, seine Profis sollten sich in Zukunft ein bisschen „wie Drecksäue“ verhalten. Sprich: rausgehen, kämpfen, grätschen und zur Not auch mal so richtig dazwischenhauen.

Geblieben ist von der Prävention am Ende nichts. Der Deutsche Meister verlor im Olympiastadion mit 1:2, womit die geplante Jagd auf die Bayern im Ansatz stecken zu bleiben droht. Sammer wurde zwar nach dem Schlusspfiff nicht müde, zu betonen, eine Meisterschaft sei „noch nie nach 18 Spieltagen entschieden worden", doch die Art und Weise, wie sich die hoch bezahlten Männer in schwarz-gelb präsentierten, gibt Anlass zur Sorge. Uninspiriert, kreativlos – so spielt keine Mannschaft, die große Ambitionen hat. Dabei hatte Christoph Metzelder vor dem Anpfiff betont, der Auftritt in Berlin sei „richtungsweisend für die kommenden Monate in der Bundesliga und Champions League“. Wenn dem so ist, stehen den Dortmundern schwere Zeiten ins Haus. „Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht in Regionen kommen, wo wir keinesfalls hin wollen“, sagte Manager Michael Meier. Und Kapitän Stefan Reuter muss einräumen, „dass wir uns jetzt in einer ganz, ganz schwierigen Situation befinden“.

Statt von Titelverteidigung redete der desillusionierte Trainer Sammer von drohenden Rückschlägen: „Wenn wir weiter solche Fehler machen, werden wir auf Platz zehn oder zwölf landen. Du musst sehen, dass du nicht durchgereicht wirst.“ Nicht allein der Umstand, dass das Spiel verloren ging, sorgt für Unruhe, vielmehr ist es die Tatsache, dass es im Dortmunder Lager offensichtlich niemanden gibt, der Nachlässigkeiten und die grassierende Selbstzufriedenheit bei den Profis abstellen kann. „Wenn man sich das Spiel anschaut, stellt man sich die Frage, ob wir im Trainingslager überhaupt etwas aufgebaut haben“, sagte Jens Lehmann nach dem Spiel.

Deutlicher kann Kollegenschelte kaum formuliert werden. Bis zum anstehenden Bundesligaheimspiel gegen Bayer Leverkusen bleibt den Dortmundern wenig Zeit, die nötige Verfassung zu finden, um nicht früh die angestrebten Ziele aus den Augen zu verlieren. „Wir brauchen eine ähnlich große Willensleistung wie im Meisterschaftsjahr“, beschwor Klubchef Gerd Niebaum.

Eine anspruchsvolle Aufgabe, die Matthias Sammers körperliches Wohlbefinden schon in Berlin empfindlich störte: „Ich fahre mit Magenschmerzen nach Hause.“

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