Sammer und der DFB : Vor der Realität kapituliert

Matthias Sammer wird im DFB zwar noch als Sportdirektor geführt, in Wirklichkeit aber ist er im vergangenen Sommer zum Nachwuchskoordinator zurückgestuft worden, denn Joachim Löw ist längst sein eigener Sportdirektor.

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Besser hätte es für Matthias Sammer eigentlich gar nicht laufen können. Das Angebot, beim Hamburger SV den Job des Sportdirektors zu übernehmen, trifft zufälligerweise genau mit der anstehenden Klärung der Machtfrage beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zusammen. Vordergründig geht es darum, ob Rainer Adrion, ein Spezi von Sammers Widerpart Joachim Löw, weiterhin die U-21-Nationalmannschaft trainieren darf. In Wirklichkeit steht weit mehr zur Debatte. Es geht um die Richtlinienkompetenz beim DFB, um die Frage, ob künftig der Bundestrainer oder der Sportdirektor die große Linie vorgibt.

Wäre das Angebot des HSV da nicht ein perfektes Druckmittel für Sammer, um seine Position im DFB zu stärken? Im Prinzip schon. De facto aber ist die Machtfrage längst geklärt. Sammer wird im Verband zwar noch als Sportdirektor geführt, in Wirklichkeit aber ist er im vergangenen Sommer, im Zuge der Verhandlungen über den neuen Vertrag für Joachim Löw und sein Team, zum Nachwuchskoordinator zurückgestuft worden. Löw ist längst sein eigener Sportdirektor.

Es ist schon auffällig, wie zurückhaltend der DFB auf die Avancen des HSV um Sammer reagiert hat: Wo ist das Veto des Präsidenten Theo Zwanziger, dass der Verband seinen Angestellten unter keinen Umständen gehen lässt? Gibt es nicht, stattdessen hat der DFB den Eindruck entstehen lassen, man könne über alles reden. Dabei war Sammer immer ein Mann Zwanzigers und explizit als Regulativ zur Brigade Bierhoff-Löw und ihrem ausufernden Machtanspruch vorgesehen. Doch obwohl der Sportdirektor bei der Talentförderung mehr als respektable Erfolge erzielt hat, kommt er letztlich nicht gegen die Sommermärchen-Seligkeit an, die Löw dem Land zuletzt wieder beschert hat. Der DFB hat sozusagen vor der Realität kapituliert.

Auch deshalb kann er Sammer den Wechsel zum HSV gar nicht verbauen. Der Verband steht bei seinem Sportdirektor quasi in der Pflicht – weil er ihn kleiner halten musste als ursprünglich geplant. Sammer hat die Beschneidung seiner Kompetenzen mehr oder weniger genügsam hingenommen, auf die vage Hoffnung hin, Löw einmal als Bundestrainer abzulösen oder zumindest dessen Nachfolger auswählen zu dürfen. Die spannende Frage ist daher gar nicht mehr, ob Sammer beim DFB bleibt. Viel spannender ist, ob und mit wem der Verband die Stelle wiederzubesetzen gedenkt und welche Befugnisse sein Nachfolger bekommt.

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