Sport : Sammler und Korbjäger

Matthias B. Krause

Eigentlich haben die Washington Wizards Gilbert Arenas angestellt, um Körbe zu werfen. Bis zu seiner Knieverletzung am vorigen Mittwoch erfüllte er den Auftrag auch ordentlich. Mit durchschnittlich 28,4 Punkten pro Partie liegt er in der Liste der Topwerfer der NBA auf Platz drei hinter Kobe Bryant und Carmelo Anthony. Was sie wohl nicht wussten, als die Wizards ihn von den Golden State Warriors holten, war, was für ein verrückter Typ Arenas außerhalb des Feldes ist.

Auf seiner Webseite zum Beispiel kultiviert er seinen Status als „Agent Zero“, der Agent Null. Null – genauso viele Minuten würde er bei den Arizona Wildcats im College spielen, sagten die Kritiker voraus. Später dann dasselbe in Golden State, die ihn als 31. im Draft 2001 holten. Beide Mal strafte Arneas seine Kritiker Lügen. Nun ist er in Washington dabei, zu einem der Großen der Liga aufzusteigen. Was ihn nicht daran hindert, alle anzubetteln – um Trikots. Die sammelt Arenas geradezu besessen. Über 200 Raritäten hat er ergattert, aus zurückliegenden Zeiten (Michael Jordans Auswärtstrikot von Highschool-Spielen etwa) und von wenig in der NBA Bekannten wie Zeljko Rebraca.

Manchmal geht er seinen Gegnern so lange auf die Nerven, bis die ihm gleich freiwillig ihr durchgeschwitztes Hemd geben – alle mit Originalunterschrift natürlich. Zu seiner eigenen Arbeitskleidung hat Arenas auch ein besonderes Verhältnis. In Nächten, wo es mit dem Werfen so gar nicht klappt, wurde er schon dabei beobachtet, wie er sie in der Halbzeitpause komplett wechselte: Trikot, Hose, Schuhe – alles. Danach fand der Ball tatsächlich wieder den Weg in den Korb.

Ob er die Unglück bringende Arbeitskleidung verbrannt, vergraben oder sonst irgendwie entsorgt hat, ist nicht bekannt. Aber sie wird wohl kaum da enden, wo seine anderen Memorabilia eines Tages landen sollen. „Ich werde eine Trainingshalle bauen, die einen Glasboden und Glaswände hat“, sagt Arenas, „dahinter hänge ich dann all die Trikots von den Spielern auf, mit denen ich je in Kontakt gekommen bin.“ Das letzte Kleidungsstück, das sorgfältig hinter Glas drapiert wird, soll sein eigenes sein. Bis dahin ist noch ein bisschen Zeit. Nach der Knieoperation ist er auf dem Weg der Besserung. Und bis er wieder spielen kann, vertreibt er sich die Zeit im Internet. Mit Online-Spielen – und bei Auktionen um seltene Trikots.

An dieser Stelle erklären die US-Korrespondenten und Sebastian Moll Phänomene aus dem nordamerikanischen Sport.

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