Sammlung komplett : Raúl gewinnt erstmals einen nationalen Pokal

Er hat 16 Jahre bei Real Madrid gespielt, ist dort sechsmal Meister geworden, hat viermal den spanischen Supercup gewonnen, sogar dreimal die Champions League und zweimal den Weltpokal - aber seinen ersten nationalen Pokalsieg erringt Raul mit Schalke

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Viva la copa. Im Liegen, aber mit der spanischen Flagge in der Hand, bejubelt Schalkes Raúl (l.) ausgelassen den Gewinn seines ersten nationalen Pokals.
Viva la copa. Im Liegen, aber mit der spanischen Flagge in der Hand, bejubelt Schalkes Raúl (l.) ausgelassen den Gewinn seines...Foto: AFP

Die erste Ballberührung ist seine. Schalke 04 hat Anstoß im Pokalfinale, und Raúl führt ihn aus. Kurz darauf geht der stolze Spanier zu Boden, das heißt, er berührt mit der Hand mal kurz den Rasen des Olympiastadions und bekreuzigt sich. Es möge ein gutes Spiel werden, eins, ohne Verletzungen und vielleicht noch mit dem richtigen Sieger, mit Schalke als Sieger, mit ihm also. Man mag es kaum glauben, aber in der von sämtlichen Pokalen und Titeln und Trophäen gesäumten Spielerkarriere fehlt dem 33-Jährigen ein nationaler Pokalsieg.

Das muss man sich mal vorstellen. Er hat 16 Jahre beim Weltverein Real Madrid gespielt, dort ist er sechsmal Meister geworden, hat viermal den spanischen Supercup gewonnen, sogar dreimal die Champions League und zweimal den Weltpokal, aber ein Pokalpokal, der unbedeutendste in dieser einmaligen Reihe, fehlt. Dabei stand der frühere Welttorjäger zweimal im spanischen Pokalfinale, beide Male verlor er das Endspiel, jeweils gegen krasse Außenseiter. Genau das soll ihm nicht noch einmal passieren, nicht auch in Deutschland, nicht heute, und schon gar nicht gegen einen Zweitligisten.

Vor einem Jahr hat sich der Angreifer für Schalke entschieden. Es gab nicht wenige, die glaubten, da komme ein in die Jahre gekommener Weltstar, der seine Karriere ausklingen lassen und dabei noch einmal abkassieren wolle. Wie sie sich täuschten. Raúl erspielte sich rasch das Vertrauen und den Respekt seiner Mitspieler und landete dabei in den Herzen der Fans. Es ist vor allem seine so selbstlose Art Fußball zu spielen, er will nicht selbst glänzen, sondern seine Nebenleute ein Stück besser aussehen lassen. Auch im Berliner Finale ist einiges davon zu sehen. Die Tore schießen andere, oft fädelt er sie ein. Nach einer Viertelstunde holt Raúl einen Freistoß heraus. Er führt ihn selbst aus, so listig, dass nach einer kleinen Stafette die Schalker Führung herausspringt.

Seine Mitspieler wissen, dass die Sachen, die Raúl anstellt, meist eine Idee in sich tragen. Und wenn er mal nicht am Ball ist, bringt er sich anderweitig ein. Dann hält er ein Schwätzchen mit dem Schiedsrichter. Das kann nicht schaden. Selbst die Päuschen, die der 102-malige Nationalspieler einlegt, wirken schlau. Dann sortiert er seine Strümpfe, behält dabei aber immer das Geschehen im Auge.

Irgendwann liegen die Duisburger 0:3 hinten, sie mögen nicht mehr so recht. Raúl klatscht ihnen aufmunternd zu – los Jungs. Ein feiner Zug, den auch die Zuschauer registrieren.

„Wir befinden uns in Gesprächen“, sagte vor dem Finale Horst Heldt. Schalkes Sportchef möchte den noch ein Jahr laufenden Vertrag mit Raúl vorzeitig verlängern. Dieser ist zwar jährlich sieben Millionen Euro schwer, aber die Gegenleistung stimme ja. 19 Pflichtspieltore hat Raúl in seinem ersten Schalke-Jahr erzielt. Zumal der Klub nun auch als Pokalsieger im Europapokal startet. Denn am Pokalsieg gibt es längst keinen Zweifel mehr. Als Raúls Landsmann José Manuel Jurado das zwischenzeitliche 4:0 für die Gelsenkirchner erzielt, ist Raúl der erste Gratulant.

Nach dem Abpfiff tänzelt Raúl wie ein Stierkämpfer mit der spanischen Flagge vor den Fotografen hin und her. Später holt er seine Kollegen zum kollektiven Jubel mit den Fans in die Kurve. Die Anhänger huldigen ihrem Liebling mit langezogenen Raúúúl-Rufen. „Ich bin sehr glücklich, dass ich zum ersten Mal den Pokal gewinnen konnte. Mit Real habe ich das ja nie geschafft. Der Pokal ist für die Fans, weil sie uns immer unterstützt haben, obwohl wir nur ein mittelmäßiges Jahr gespielt haben“, sagt Raúl. Mittelmäßig oder nicht – nach dem Spiel strahlt Raúl mit dem güldenen Pokal um die Wette.

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